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Wasserrettung am Baggersee

Wasserrettung am Baggersee
Hier wird eifrig der Ernstfall trainiert. FOTO: Heike Ahlen
Brüggen. Die Brüggener Jugendfeuerwehr übt den Ernstfall im Hallenbad. Von Heike Ahlen

Als Schwimmmeister Hermann Krücken von der „David-Hasselhoff-Rettungsboje“ spricht und das charakteristische rote Teil hervorholt, schauen ihn die Mitglieder der Brüggener Jugendfeuerwehr mehr oder minder ratlos an. Hasselhoff, Pamela Anderson und der Strand von Malibu – das ist nicht ihre Zeit.

Sie wollen lernen, wie sie einen Verunglückten aus dem Borner oder dem Dahmensee retten.

Während die „große“ Feuerwehr solche Übungen am offenen Gewässer durchführt, weichen die Jugendlichen ins Hallenbad aus. Ruckzuck ist das Schlauchboot aufgepumpt. Denn „am See zählt jede Sekunde“, das macht Krücken den Mädchen und Jungen mehr als einmal klar. Einsteigen ins Boot ohne umzufallen, vorher abschätzen, wie viele Leute mit können, damit noch Platz für das Opfer bleibt, dann gut getaktet und schnell vorwärts paddeln, den Verunglückten – in diesem Fall Dummy „Karl-Heinz“ – hereinziehen und schnell zum Ufer zurückpaddeln, das ist die Aufgabe. Zwischendurch geht es noch darum, das Boot im Gleichgewicht zu halten, während das Opfer hineingezogen wird. Die Jugendlichen lösen die Aufgabe mit jedem Versuch besser. Zu Anfang müssen sie sich mit der Paddel-Technik vertraut machen. Schnell vorwärts kommen, dabei lenken, am besten den Verletzten seitwärts zum Boot bekommen, um ihn hereinzuziehen. Nach anderthalb Stunden, die natürlich für alle mit dem Sprung ins Becken enden, sitzen die grundlegenden Handgriffe. In den Ernstfall müssen die Jugendfeuerwehrleute natürlich noch nicht. „Aber wir versuchen, die Mitglieder der Jugendfeuerwehr so weit vorzubereiten, dass sie die grundlegenden Dinge bereits kennen und können, wenn sie in die Löschzüge überstellt werden“, sagt Brüggens Jugendfeuerwehrwart Marcel van Montfort. Die Feuerwehr setzt sich intensiv mit der Frage der Rettung aus den Seen ausein ander. Denn jedes Jahr, wenn es richtig warm wird, eilen die Menschen in Scharen dorthin, auch, wenn das Baden dort eigentlich verboten ist. Unter ihnen sind immer auch solche, die nicht oder nicht genügend schwimmen können. „Außerdem gibt es in Baggerseen Kältebrücken“, sagt Hermann Krücken. Dort, wo steile Abbruchkanten unter Wasser sind, sinke die Temperatur oft schlagartig um mehr als zehn Grad, was einen Schock auslösen könne. Die Jugendfeuerwehrleute hoffen, dass sie zunächst noch einige Jahre mit viel Spaß üben dürfen, bevor sie sich in einem Ernstfall bewähren müssen.

(StadtSpiegel)
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