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Trubel um Antonella

Trubel um Antonella
Kragenbärin Antonella entspannt auf einem Felsvorsprung in ihrem Gehege. FOTO: Gina Dollen
Brüggen. Seit über 30 Jahren lebt Kragenbärin Antonella im Natur- und Tierpark Brüggen. Schon oft wurde ihre Haltung bemängelt, jetzt trieb es eine niederländische Organisation auf die Spitze und löste einen regelrechten Shitstorm aus. Von Gina Dollen

Ruhig stolziert Kragenbärin Antonella durch ihr Gehege im Natur- und Tierpark Brüggen. Mit der Kiwi, die ihr ein Pfleger zuwirft, tapst sie langsam auf die obersten Stufe ihres großen Felsens, lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen und schaut mit ihren kleinen Knopfaugen über die benachbarten Gehege.

Antonella wurde im Natur- und Tierpark Brüggen geboren und verbrachte dort über 30 Jahre ihres Lebens. Alles in allem verbringt die alte Bärin eine zufriedene Alterszeit.

Wäre da nicht die Reaktion einer durchaus besorgten Besucherin aus den Niederlanden, die gemeinsam mit der Organisation "World Animal Protection Netherlands" und dem Aufruf "Antonella zu retten" die Tierparkbetreiber massiv im Netz angreift.

Kragenbären sind von Natur aus Einzelgänger und begeben sich lediglich in Gesellschaft, um Nachwuchs zu produzieren. Kaum sind die Kleinen aus dem Gröbsten raus, war's das mit der sozialen Ader. Der Bär tapst weiter alleine durchs Leben – und ist dabei schon rein von seinem Wesen her zufrieden. Das Doppelgehege von Antonella entspricht den Vorgaben für zwei Bären, ist also für einen Bären in Gefangenschaft lebend nicht zu klein.

Das sah die "Bärenschützerin" anders und bemängelte die "schrecklichen Lebensbedingungen" von Antonella. Viele sehen es so: Natürlich sind Tiere in Gefangenschaft immer ein kontroverses Thema, doch sollte man sich, bevor man mit solchen Anschuldigungen an die Öffentlichkeit geht, ausreichend informieren.

Tierparkbetreiber Stephan und Helga Kerren wissen genau, dass sie Antonella nicht die perfekten Bedingungen bieten können. Sie betreiben den Natur- und Tierpark Brüggen mit viel Herzblut und setzen im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles, was sie haben, in Renovierungen und Erweiterungen für ihre Tiere. Grundsätzlich wären die Kerrens sogar bereit dazu, Antonella abzugeben.

In Menschen-Jahren ist Kragenbärin Antonella knappe 65 Jahre alt und dem Umzugsstress nicht mehr so gewachsen wie ein Jungtier – wie sagt man so schön? Alte "Bäume" verpflanzt man nicht. Trotzdem wird alles versucht, Antonella das richtige zu Hause zu bieten.


Regelmäßig müssen sich die Tierparkmitarbeiter mit Beschwerden beschäftigen – was für sie kein Problem wäre, kämen diese von den Besuchern selbst. "Wir sind dankbar, wenn uns Kunden auf Missstände aufmerksam machen. Wir versuchen unser Bestes, diese so schnell wie möglich zu beheben oder auch zu erklären, warum etwas vielleicht nicht so schlimm ist, wie es auf den ersten Blick aussieht", so eine Mitarbeiterin. Viele meiden jedoch diesen Weg, der Missverständnisse aus dem Weg schaffen könnte und wenden sich sofort an Veterinäramt und Co.. So müssen verschiedene Behörden immer wieder ausrücken, um dann mitzuteilen, dass hier alles im grünen Bereich ist.


Das Veterinäramt des Kreises Viersen hat schon seit Jahren ein Auge auf die Bärenhaltung im Natur- und Tierpark Brüggen – und vermeldet keine Beanstandungen.


Bis zum Mai 2014 waren mit der Haltung alle Anforderungen des zuständigen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erfüllt. Das Bundesministerium gibt Säugetiergutachten heraus. Nach dem Gutachten, das am 7. Mai 2014 herausgegeben wurde, bestand ein höherer Raumbedarf für die Bärin. Das konnte aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht umgesetzt werden.


Das Gutachten zeigte aber auch Alternativen auf. In einem so genannten Managementplan gibt es Möglichkeiten zu Lebensraumanreicherung, Gehegegestaltung und -strukturierung und ein Fütterungskonzept unter Berücksichtigung der Jahreszeiten. "Diese Maßnahmen wurden bis zum Frühjahr 2015 vollständig umgesetzt", erklärt Kreis-Sprecher Markus Wöhrl auf Nachfrage.


Auf Empfehlung der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes und Vertretern der Bärenfoundation sowie der Organisation Bären-NL seien im Frühjahr 2016 weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen angeordnet und im Tierpark umgesetzt worden, so Wöhrl. "Weiterhin bemüht sich der Betreiber des Tierparks nachweislich, den Kragenbären an einen der in Deutschland betriebenen Bärenparks abzugeben – leider bisher ohne Erfolg", so der Kreis-Sprecher.

(StadtSpiegel)