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Sommerserie: Ehrenamt ist Ehrensache

Sommerserie: Ehrenamt ist Ehrensache
Katrin Blinne, Julian Blinne, Jens Maßen und Rudi Bottenberg lassen alles stehen und liegen wenn es brennt – und das ehrenamtlich. FOTO: Heike Ahlen
Brüggen. In der neuen Serie „Ehrenamt ist Ehrensache“ stellt der Stadt Spiegel Menschen vor, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie erzählen aus ihrem Ehrenamt, warum sie es ausüben – und warum Sie es auch tun sollten. Von Heike Ahlen

Das erste Gespräch hat unsere Mitarbeiterin Heike Ahlen mit vier Feuerwehrleuten aus der Gemeinde Brüggen geführt. Sie kommen aus den vier verschiedenen Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr. Diese besteht aus den Löschzügen Brüggen und Bracht, wobei der Löschzug Brüggen sich aus den Löschgruppen in Brüggen, Lüttelbracht und Born zusammensetzt. Es gibt im Kreis Viersen keine Berufsfeuerwehr. In der Stadt Viersen existiert eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften, einige Wehrleute sind also rund um die Uhr auf der Hauptwache. Überall woanders stellen ausschließlich Ehrenamtler sicher, dass die Feuerwehr kommt, wenn es brennt oder ein Unfall passiert ist.

Unsere heutigen Ehrenamtler sind: Katrin Blinne (22) aus der Löschgruppe Brüggen. Sie ist seit November 2014 bei der Feuerwehr. Julian Blinne (20) aus der Löschgruppe Lüttelbracht ist 2008 in die Jugendfeuerwehr eingetreten, seit 2014 ist er in der aktiven Wehr. Jens Maßen (19) aus der Löschgruppe Born. Er ist seit 2010 in der Jugendfeuerwehr, seit 2016 in der aktiven Wehr und Rudi Bottenberg (60)= aus dem Löschzug Bracht. Er ist seit 1972 in der Feuerwehr. Er hat ein weiteres Ehrenamt – als Sachkundiger Bürger im Schulausschuss.

Wenn der Melder geht, dann lassen sie alles stehen und liegen. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Das Spielen mit der Familie ist genauso abrupt beendet wie der Grillabend mit Freunden, die Arbeit oder auch das Date. Eine Entlohnung gibt es nicht. Oft genug noch nicht einmal ein Danke. Und trotzdem machen sie weiter. Nicht nur bei den Einsätzen, sondern auch bei Übungen und Fortbildungen. „Wir verbringen etwa die Hälfte unserer freien Zeit damit, für die Feuerwehr aktiv zu sein“, schätzt Julian Blinne. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, jeder sich blind auf den anderen verlassen können. Das wird immer wieder geübt. Wenn neue Technik hinzukommt, gilt es, sich auch damit vertraut zu machen. „Der Teamgeist ist wichtig“, sagt Jens Maßen. Damit es nicht immer nur darum geht, noch schneller und exakter im Kampf gegen Feuer, Sturm, Hochwasser oder Unfälle zu sein, kommt auch die Kameradschaftspflege nicht zu kurz.

„Unsere Gesellschaft würde nicht mehr funktionieren, wenn das Engagement des Einzelnen nicht da ist“, sagt Rudi Bottenberg – und schaut in die Niederlande. Dort gibt es zwar auch freiwillige Feuerwehren, aber die Kräfte bekommen eine Entlohnung für Übungs- und Einsatzstunden. „Wenn das hier so wäre, ginge es den Kommunen noch schlechter“, ist er überzeugt.

Der Lohn der Feuerwehrleute ist es, am Ende ein Feuer gelöscht, einen Menschen aus einem zerstörten Auto gerettet oder auch einmal ein Tier aus einer ausweglosen Lage befreit zu haben. „Man ist stolz, wenn man es geschafft hat“, so Bottenberg. Wenn dann noch ein Dank kommt, wiegt das vieles auf. „Wenn Menschen danke sagen, obwohl sie gerade bei einem Feuer viel verloren haben, obwohl wir durch die Räume, die nicht vom Feuer betroffen waren, mit dreckigen Schuhen gelaufen sind, vielleicht noch etwas umgeworfen haben – wenn sie dann immer noch dankbar sind, dass es uns gibt, dann ist das wunderbar“, sind sich die vier einig: „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das zu machen – aber positiv verrückt.“

(StadtSpiegel)