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Abgestürztes Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg
Liegen Bomben im Acker?

Abgestürztes Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg: Liegen Bomben im Acker?
Problem bei der Suche nach möglichen Bomben am abgestürzten Weltkriegs-Flugzeug: das Grundwasser. FOTO: Heike Ahlen
Brüggen. Was befindet sich in dem Acker am Deichweg in Brüggen? Nach dem Fund eines amerikanischen Flugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg könnten dort Bomben im Erdreich liegen. Mitte August rückt der Kampfmittelbeseitigungsdienst an.

Für die amerikanischen Ermittler, die am Deichweg ein anderes Flugzeug gefunden haben, als sie erwartet hatten, bedeutet das, dass sie anderswo weitersuchen müssen. Für die Gemeinde Brüggen heißt es, dass genau hier etwas passieren muss.

Über die Mission, auf der sich Donald Turnidge befand, als sein Flugzeug am Deichweg abstürzte, ist wenig bekannt. Nur, dass an diesem Tag die dichten Wolken keine Bomben-Abwürfe in Paderborn und Gießen möglich machten. Unklar ist, ob die P51D Mustang überhaupt Bomben trug. Möglich wäre es bei diesem Modell; alternativ konnten an dieser Stelle aber auch Zusatztanks angebracht werden. Und bei solch heiklen Missionen entschieden die Piloten selbst, wie ihre Maschinen bestückt wurden. Mit mehr Gewicht - also Bomben - für mehr Stabilität, oder mit weniger, um schneller und wendiger zu sein. Darüber gibt es allerdings keine Aufzeichnungen. 

Maximal zweimal 250 Kilo konnte das Flugzeug unterbringen. Und wenn es Bomben an Bord hatte, sind sie vielleicht im Rahmen des Sicherheitsprogramms vor dem Absturz abgeworfen worden? Oder führte eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit dazu, dass das nicht mehr klappte, sondern der Pilot nur noch in letzter Sekunde mit dem Fallschirm abspringen konnte?
Darüber gibt es leider keine Aufzeichnungen. Sind die Bomben vielleicht beim Absturz detoniert? Darüber geben noch nicht einmal die Luftbilder Aufschluss. Das können Experten normalerweise anhand der Form des Kraters schließen. Aber das Flugzeug schlug auf hart gefrorenem Boden auf, was die Muster veränderte. 

Seit Bekanntwerden, welches Flugzeug dort liegt, haben Deutsche und Amerikaner miteinander alles versucht, um herauszufinden, ob sich dort Bomben im Erdreich befinden. "Wir gehen nicht davon aus, dass dort etwas liegt", sagt Bürgermeister Frank Gellen, "aber wir können es auch nicht ausschließen." Und deshalb gebe es nur eine Möglichkeit: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst muss kommen. Der wird am 17. August in Brüggen anrücken.

Als erstes steht ein geophysikalischer Scan der Fläche an. Bürgermeister Frank Gellen schätzt, dass etwa 15 Prozent des Fliegers bereits geborgen sind. Durch den Scan erhofft man sich, Lage und Größe von Metallteilen zu erkennen. Und dann wird wohl gegraben.
Bei einem Grundwasserstand, der nur 40 Zentimeter unter der Oberfläche liegt, ist das ein schwieriges Unterfangen. Ohne Pumpen und Spundwände geht da nichts. Das wird teuer. Denn die eigentliche Kampfmittelbeseitigung zahlt das Land NRW, aber für alles Drumherum muss die Gemeinde aufkommen. "Wir werden die Politik kurzfristig darüber informieren", sagt Gellen. Aber eine Alternative gebe es nicht. "Die Sicherheit der Bevölkerung geht vor." Dass über 70 Jahre lang nichts passiert sei, sei da kein Argument. 

Sollten Bomben gefunden werden, die entschärft werden müssen, könnte es auch zu einer Evakuierung kommen, denn im Radius von 500 Metern um den Fundort liegen etliche Wohnhäuser. Wenn alles abgeschlossen ist, möchte Gellen sich darum bemühen, einige Teile als Exponate für eine kleine Ausstellung zu bekommen. "Das ist ein Teil der Brüggener Geschichte, das sollten wir erlebbar machen", sagt er.