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Gemeinsam den Ernstfall üben

Gemeinsam den Ernstfall üben
Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst, die Kommunikation und die Abläufe zwischen den verschiedensten Rettungskräften standen im Mittelpunkt der Übung. FOTO: Heike Ahlen
Brüggen/Nettetal. Einmal jährlich treffen sich die Feuerwehr-Löschzüge Brüggen, Schaag und Breyell sowie das DRK und JRK Nettetal zu einer gemeinsamen Übung. In diesem Jahr im Gewerbegebiet Weihersfeld in Brüggen. Von Heike Ahlen

Eine gemeinsame Übung von Feuerwehr-Löschzügen und Hilfsorganisationen schult die Zusammenarbeit an realen Einsatzstellen. Denn in den allermeisten Fällen ist dort Teamwork gefragt.

Diejenigen, die eine solche Übung planen, haben viel zu bedenken. Es gibt spezielle Übungsziele, die die Einsatzkräfte erreichen sollen. Es muss "genug zu tun" sein für alle Kräfte. In diesem Jahr war der Löschzug Brüggen Ausrichter der gemeinsamen Übung mit den Löschzügen Breyell und Schaag und dem DRK Nettetal. Insgesamt rund 50 Feuerwehrleute und 25 Rettungskräfte stehen bereit. Joachim Kalkbrenner und Stephan Moers haben sich ein Szenario ausgedacht, das es in sich hatte.

Denn eigentlich fängt es relativ harmlos an, im Lager eines Betriebs im Gewerbegebiet Weihersfeld. Bei Einlagerungsarbeiten hat ein Staplerfahrer eine Starkstromleitung erwischt, die zu einem Nachbargrundstück führt. Die Leitung reißt, die Feuerwehr wird alarmiert. Dann nimmt die Lage rasant Fahrt auf. Der folgende Kurzschluss sorgt für einen Brand – ausgerechnet dort, wo die Gasflaschen gelagert werden. Ein Mitarbeiter rennt mit einem Feuerlöscher dorthin, um die Flammen zu bekämpfen und erleidet einen Stromschlag. Eine Explosion verletzt weitere Mitarbeiter.

Die Flammen greifen kurz darauf auf die Werkstatthalle über, in der sich auch noch ein Mitarbeiter befindet. Außerdem hat kurz vor dem Unglück ein Neunjähriger zwischen den Containern auf dem Hof gespielt – und der ist jetzt verschwunden.

Die Feuerwehren bauen routiniert ihren Angriff auf. Die Verletzten werden aus dem Gefahrenbereich gebracht, die ersten Wehrleute gehen unter Atemschutz in die brennende Werkhalle hinein. Plötzlich piepst es überall. Die Lippen einiger Wehrleute formen das Wort "Mayday". In einigen Gesichtern sieht man Verunsicherung. Ist das jetzt echt? Oder Teil der Übung? Ein Feuerwehrmann hat im Gebäude das Bewusstsein verloren, muss gerettet werden. Und natürlich ist es Teil der Übung – aber die schauspielerische Leistung ist grandios. Wehrleute bringen ihren Kameraden aus dem Gebäude und beginnen mit der Reanimation.

Die Übungsleiter und Beobachter sind zufrieden. Nicht nur mit dem, was sie gesehen haben. Denn in dieser Übung ging es auch um etwas, das man nicht sieht: Um die Kommunikation. Wie reagieren die Wehrleute auf die hysterische junge Frau, die auf das Gelände stürmt und ihren kleinen Bruder sucht? Es ist der Neunjährige, der dort gespielt hatte. Dass er auch vermisst wird, wusste die Feuerwehr vorher nicht. Wie schnell stellen sich alle auf die neue Lage ein? Wie gelangt die Information, dass der angeforderte Elektriker, der den Strom abstellen soll, vor dem Tor steht, zu denjenigen, die den Einsatz koordinieren?

Nach knapp zwei Stunden können die Schläuche aufgerollt und die Theaterschminke aus den Gesichtern der Verletztendarsteller des JRK Nettetal gewischt werden. Ziel erreicht.

Und so gerne die vielen Kräfte an diesem Abend Hand in Hand gearbeitet haben – natürlich hoffen alle, dass so ein Fall in der Realität nie eintritt.

(StadtSpiegel)