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Feierabend am Hariksee

Feierabend am Hariksee
Die Zwillinge vom Hariksee machen Feierabend. Links sieht man Herbert und rechts Walter Höppner. FOTO: Heike Ahlen
Schwalmtal. Mit 80 Jahren legen Herbert Höppner und Walter Geisler den Bootsverleih am Oberen Hariksee nun in jüngere Hände. Für viele gehörten sie jahrelang wie selbstverständlich zum Hariksee dazu. Von Heike Ahlen

Spätestens, seit Barbara Munderloh vor knapp einem Jahr mit einem Portrait der "Zwillinge vom Hariksee" den Fotowettbewerb über das Altern in Schwalmtal gewann, kennt wirklich jeder die "Boots-Brüder". Für Besucher des Hariksees sind sie ohnehin nicht aus dem grün gestrichenen Bootshaus wegzudenken, wo sie Boote vermieten und Angelscheine verkaufen. Aber mit dem Saisonende am 31. Oktober ist für die beiden Schluss. Bis Ende Februar werden sie noch Angelscheine verkaufen, dann soll ein neuer Pächter kommen.

"Wenn man die 80 überschritten hat, muss man langsam an die Rente denken", sagt Zwilling Walter und lächelt schelmisch. Im Januar werden die beiden 81. Zu Bootsverleihern wurden sie erst in einem Alter, in dem andere die Sache mit der Rente längst für sich beanspruchen. Vor 15 Jahren übernahmen sie den Bootsverleih und machten ihn zu dem, was alle am Hariksee kennen und lieben. Fahrten mit Musik auf dem Partyboot "Charlotte", bei denen nicht selten Neptun höchstselbst zu Gast war, in dessen Rolle Herbert Höppner schon schlüpfte, bevor er Bootsverleiher wurde. Denn dem Hariksee ist er seit fast 40 Jahren verbunden.

Das Leben der beiden Männer beginnt auch am Wasser. Am Unterbacher See. Nach einer Lehre als Polsterer und Dekorateure gehen sie gemeinsam zur Glashütte nach Gerresheim. Die Liebe zum Hariksee entsteht Anfang der 80er-Jahre eher durch Zufall – und mit dem Umweg über Spanien. Dort nämlich machte Herbert mit seiner Familie Camping am Meer. Daraus erwuchs der Gedanke, doch in der Nähe der Düsseldorfer Heimat einen Wohnwagen am Wasser zu haben. An der Mühlrather Mühle wurde die Familie fündig. Seit 22 Jahren ist ein kleines Häuschen direkt am See Herberts Domizil. Auch Zwillingsbruder Walter hat Seeblick – und kann sogar auf den Bootsverleih schauen. Mit 65, einem Alter, in dem andere in Rente gehen, begannen die beiden mit dem Bootsverleih – nicht wegen des Geldverdienens, sondern aus Spaß am Metier.

Neben den tollen Begegnungen mit Menschen und neben entstandenen Freundschaften bleiben auch kuriose Begebenheiten in Erinnerung. Der Hariksee ist nicht tief. Am Rand, da, wo die Bootsstege sind, vielleicht einen knappen Meter. Als eine Mutter, deren 14-jähriger Sohn beim Aussteigen das Gleichgewicht verlor und plötzlich im Wasser stand, in Panik hinterhersprang und der dazugehörige Vater dann erst einmal nach Hause eilte, weil er die beiden nicht nass im nagelneuen Auto transportieren wollte, daran erinnern sich beide mit einem leichten Schmunzeln.


Wirklich negative Erinnerungen, die könne man an einer Hand abzählen, sind sich die Zwillinge einig.


Am vergangenen Samstag haben sich die beiden mit einem Fest bei ihren Stammgästen verabschiedet. Man wird sich gegenseitig vermissen. "Denn die vielen netten Leute, die wir kennenlernen durften, die waren das Allerbeste an unserer Zeit hier", sagen die Männer unisono.

(StadtSpiegel)