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Die Musikanten vom Borner See

Die Musikanten vom Borner See
Heinrich Wesseler (links) und Karl-Heinz Rennett musizieren am Borner See. FOTO: Heike Ahlen
Born. Wenn Trompete, Alphorn oder Akkordeon dienstags übers Wasser klingen, dann sind die Borner See-Musikanten da. Von Heike Ahlen

Dienstagnachmittag, kurz nach 15 Uhr. Wer jetzt auf den Borner See zugeht, der hört die Musik an jeder Ecke. Trompete und Alphorn klingen über das Wasser. Weil die gute Akustik am See bekannt ist, wurde an strategisch günstiger Stelle ja auch eigens der Platz für das „Singen am See“ gegenüber der Kirche auf der anderen Seeseite eingerichtet. „Aber das ist ja leider nur einmal im Jahr“, sagt Karl-Heinz Rennett bedauernd.

Deshalb begann er vor acht Jahren, allwöchentlich mit seiner Trompete zum See zu fahren und zu spielen. Rennett kommt gebürtig aus Born, lebt nach Jahren im Spessart schon lange in Schwalmtal.

Als Trompeter ist der 76-Jährige spät berufen. Eigentlich hatte er schon 1950 begonnen, das Instrument zu lernen, fasziniert durch die Spielmannszüge im Spessart. Aber das geriet in Vergessenheit, erst 1995 beendete er seine Ausbildung darin.

Rennett hat sich der Heimatmusik verschrieben, sein Repertoire umfasst vor allem Volkslieder. Aber auch in Kirchenliedern ist er sehr sattelfest. Denn freitags macht er vormittags im Schwalmtaldom St. Michael den Kirchendienst, bei dem sich Kirchenbesucher auch Lieder wünschen können, die er dann vorträgt.

Rennett hat immer Musiker gesucht, die mit ihm am See spielen. „Verschiedene kamen, aber niemand blieb auf Dauer“, erzählt er. „Viele waren auch schon recht alt, konnten dann nicht mehr spielen.“ Heinrich Wesseler blieb. Der Mann aus Hülst ist 86 Jahre alt und spielt Alphorn und Akkordeon.

Die beiden Männer könnten von ihrem Musikverständnis her unterschiedlicher kaum sein. Rennett spielt akribisch nach Noten, Wesseler nach Gehör. Aber sie vereint die Liebe zur Musik. Seit 2015 kommen sie gemeinsam zum See.

Der Kontakt zwischen ihnen war ursprünglich zustande gekommen, weil Wesseler ein Alphorn bauen wollte, an dem drei Musiker gleichzeitig spielen. Allerdings fanden er und Rennett nie den „dritten Mann“. Wenn die beiden heute am See musizieren, bleiben die Spaziergänger und Radfahrer stehen, setzen sich für ein oder zwei Lieder auf die nahe Bank und lauschen. Manche beginnen dann auch einfach mitzusummen. Denn selbst wenn ihnen Titel wie „Die Mühle im Schwarzwäldertal“ oder „Kein schöner Land in dieser Zeit“ nichts sagen – die Melodien hat jeder schon einmal gehört.

Solange das Wetter gut ist, wollen die beiden noch in den Herbst hinein spielen, immer dienstags ab 15 Uhr. Sie hoffen auf einen möglichst goldenen Oktober, der ihnen und ihren Zuhörern das ermöglicht. Auf die Frage, warum sie das machen, hat Rennett eine ebenso schlichte wie schlüssige Antwort: „Weil Musik fröhlich macht – alle Menschen.“

(StadtSpiegel)