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Neue Flüchtlingsunterkunft in Brüggen
Die Bürger sind empört

Neue Flüchtlingsunterkunft in Brüggen: Die Bürger sind empört
Viele Bürger kamen zur Infoveranstaltung für eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Brüggen. FOTO: Bruno Schüttler
Brüggen. Im größten Raum im Haus wurde es mit schätzungsweise rund 80 Personen doch recht eng. Die Gemeinde Brüggen hatte zur Bürgerinformation für eine neue Flüchtlingsunterkunft eingeladen.


Das große Interesse der Bewohner des Bernhard-Röttgen-Waldweges und des Benzenbergweges galt der weiteren Nutzung des ehemaligen Betriebsgebäudes der Firma Menz & Könecke. Die Gemeinde Brüggen möchte dort eine Unterkunft für bis zu 60 Flüchtlinge schaffen. Das löst bei den Anwohnern Ängste und Sorgen aus. Brüggens Bürgermeister Frank Gellen stand nun Rede und Antwort.
Es gibt bereits einen Vorvertrag mit den Eigentümern des Anwesens Bernhard-Röttgen-Waldweg Nr. 8 und der Gemeinde Brüggen. Wenn Versicherungsfragen und die Auflagen des Brandschutzes geklärt sind, soll es zur Vertragsunterzeichnung kommen. "Das wurde alles hinter unserem Rücken verhandelt", so der Vorwurf einiger betroffener Bürger. Bürgermeister Frank Gellen musste eingestehen, dass durch Indiskretion von Gemeindemitarbeitern die mögliche Nutzung des Gebäudes schon angedeutet wurde, bevor es vertraglich vereinbart war. Eine Kopie des Vorvertrages hatte er zum Beweis gleich mitgebracht. Bei der Einladung zum jetzigen informativen Treffen schien auch etwas schief gelaufen zu sein. Einige der Betroffenen hatten das Einladungsschreiben der Gemeinde nicht erhalten. Trotz der Empörung gelang es, sachlich zu diskutieren.


Die Anwohner der Straße befürchten, dass eine Aufstockung der Wohnlage mit 60 zusätzlichen Personen, zu einer enormen Lärmentwicklung führen könnte, besonders im Sommer. "Die halten sich doch meistens draußen vor dem Gebäude auf, kann man ja auch verstehen, wenn die hier auf engstem Raum wohnen müssen", sagte ein Bürger. Zwei Mütter von Töchtern drückten ihre Sorgen aus: "Dann können wir unsere Kinder nicht mehr alleine zur Schule gehen lassen. Die werden jetzt bereits an der Bushaltestelle blöd angemacht." Ängste, die durch die Vorfälle in Köln und anderen Städten zusätzlich Auftrieb bekamen.

Eine ältere Dame, berichtete, dass sie, da ihr Mann als Pflegefall in ein Heim gehen musste, nun eine Immobilie verkaufen muss. Seit Bekanntwerden der Einrichtung Flüchtlingsunterkunft findet sie keinen Käufer mehr. Ihre Nachbarin bietet eine Ferienwohnung an: "Mal sehen, ob meine Gäste wiederkommen, sie schätzen besonders die ruhige Lage." Der Bürgermeister zeigte viel Verständnis für die Sorgen: "Ich will nicht lügen und kann ihnen daher nichts versprechen. Wir wissen nicht, wer zu uns kommt, ob Familien oder allein stehende Männer, und wir haben auch keinen Einfluss darauf. Was ich versprechen kann, wir arbeiten mit Hochdruck an der Schaffung neuen Wohnraumes und haben eine Belegung dieses Objektes und der Jagdschule für maximal zwei Jahre vorgesehen." Bei einigen blieben Zweifel, ob dieser Plan so zu verwirklichen sei: "Wer weiß, was in zwei Jahren ist." Sehr enttäuscht äußerten sich die Sprecher einer Bürgerinitiative, die über 50 Unterschriften gegen die Unterkunft gesammelt hatten: "Es gab keinen Kompromissvorschlag, keine Alternativen. Wir müssen das so hinnehmen und können nur hoffen, dass nach zwei Jahren die Unterkunft schließen wird und dass in der Zwischenzeit nichts passiert."

 

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