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Der stille Held von nebenan

Der stille Held von nebenan
Engagiert und bereit zu helfen: Dominik und Sandra Hinz, hier mit ihrem Sohn Jonah, haben sich bei der Typisierungsaktion für Henry bei der DKMS registrieren lassen. Der 26-Jährige freut sich riesig, einem an Blutkrebs erkrankten Menschen helfen zu können. FOTO: Claudia Ohmer
Brüggen. Alle 16 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Die Wahrscheinlichkeit einen passenden Spender zu finden liegt bei eins zu mehreren Millionen. Dominik Hinz hat sich bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen und kommt als Spender in Frage. Von Claudia Ohmer

"Ein Hammergefühl", so Dominik Hinz aus Brüggen. "Als ich den Brief von der DKMS bekommen habe, dass ich jemandem ein gesundes Leben schenken kann, habe ich mich wahnsinnig gefreut - eine unglaubliche Nachricht", erinnert sich der 26-Jährige. Auch seine Frau Sandra ist noch sichtlich berührt. "Er hat direkt gesagt, dass ist wie unser Sechser im Lotto", sagt sie und schaut stolz ihren "Helden" an. Angefangen hat alles Ende des vergangenen Jahres, als sich das Paar und weitere Familienmitglieder bei der Aktion Henry in Nettetal hat typisieren lassen. Im März gab es dann die Spenderausweise und eben jenen Brief, der das Leben der kleinen Familie (Sohn Jonah ist zwei Jahre) und das des Empfängers, eines 59-jährigen Niederländers, verändern wird.

Nach einer weiteren Blutuntersuchung beim Hausarzt steht für Dominik Hinz aus Brüggen fest, dass er mit seinem Knochenmark einem 59-jährigen Niederländer helfen und sein Leben retten kann. "Das berührt einen sehr, wenn man an den Menschen denkt, der vielleicht Familienvater ist und auch schon Enkel hat", sagt Sandra Hinz.
Nach einem weiteren Gesundheitscheck beim Arzt steht der peripheren Stammzellspende nichts mehr im Wege. "Dabei habe ich Spritzen mit nach Hause bekommen, die die Anzahl der Stammzellen steigern", erklärt Hinz. Seine Frau Sandra dazu: "Trotz grippeähnlicher Nebenwirkungen, Nieren- und Rückenschmerzen ist Dominik tapfer weiter als Baggerfahrer arbeiten gegangen, obwohl er sich hätte krankschreiben lassen können. Da habe ich mir schon Sorgen gemacht."
Nach rund 100 Tagen wisse man, ob der Körper des Empfängers die Spende angenommen habe. Zwei Jahre sei Dominik dann noch auf den Mann reserviert, bevor er wieder für andere als Spender frei werde. Natürlich möchten die Hinz auch anonym mit dem Empfänger der Spende in Briefverkehr treten. "Für unseren Mann aus Holland brennt schließlich auch oft eine orange Kerze in unserem Wohnzimmer", so die 26-jährige Sandra Hinz, die vor kurzem ihr Examen als Sozialpädagogin bestanden hat und im Kinderdorf arbeitet. "Unsere nächste Lebensaufgabe: Ein Pflegekind aufnehmen - irgendwo wartet ein 'Herzenskind' auf uns."
Doch zunächst einmal hoffen Dominik und Sandra Hinz, dass sich noch mehr Menschen registrieren lassen und helfen möchten. "Viele verwechseln die periphere Stammzellspende mit der Knochenmarkspende. Doch man muss sich keine Sorgen machen. Und helfen ist so wichtig", wissen die beiden.