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„Bürgermeister hat Schuld“

„Bürgermeister hat Schuld“
Silke Beckstedde hat den einstigen Verwaltungssitz in Bracht in ein Café und eine Kulturstätte verwandelt. FOTO: Simone Krakau
Brüggen. Mitten im Herzen von Bracht liegt das Café Bürgermeister = Amt. Silke Beckstedde hat den ehemaligen Verwaltungssitz mittlerweile in einen Kulturpunkt verwandelt, der mit Anderssein und nostalgischem Charme überzeugt. Von Simone Krakau

Frisch gebackenes Brot im Sozialamt frühstücken und danach vielleicht noch ein leckeres Stück Torte im Einwohnermeldeamt zu sich nehmen – was sich erst einmal ein wenig merkwürdig anhört, ist in Wirklichkeit richtig gemütlich.

Auf den Tischen liegen gestärkte weiße Decken, verschiedene nostalgische Stühle bieten die Möglichkeit, sich bei einer Tasse Tee niederzulassen und die familiäre Atmosphäre zu genießen. Silke Beckstedde hat aus dem einstigen Verwaltungssitz im Herzen von Bracht an der Marktstraße ein Café gemacht, das an Omas gute Stube erinnert.

Nachdem 2015 feststand, dass die Verwaltung einen neuen Sitz bekommen solle, wandte sich Bürgermeister Frank Gellen an die gelernte Diplom Ingenieurin für Innenarchitektur. Das Haus aus dem 19. Jahrhundert war sanierungsbedürftig, man wusste nicht so genau, was aus dem Haus werden sollte. „Oberste Priorität war, dass das Erdgeschoss des Bürgermeisteramts weiterhin öffentlich genutzt werden könne“, sagt Silke Beckstedde. „Was genau aus dem Amt werden sollte, stand offen.“ Daraufhin erstellte sie ein aufwendiges Konzept, das sämtliche Sanierungsarbeiten vorsah. Das Ganze umsetzen sollte dann aber eigentlich jemand anderes, so Silke Beckstedde.

Einige Wochen und ein Gespräch später stand dann aber fest, dass aus der Innenarchitektin nun eine Cafébesitzerin werde. „Ich habe mich da ehrlich gesagt ein wenig hinquatschen lassen“, erinnert sich Silke Beckstedde und muss dabei lachen. „Der Bürgermeister hat sozusagen Schuld.“

Nach einem halben Jahr voller aufwendiger Renovierungs- und Sanierungsarbeiten eröffnete sie das Café Bürgermeister = Amt dann schließlich Mitte 2016. Silke Beckstedde selbst wohnt in der alten Wohngeldstelle, in der ersten Etage des Hauses.

Doch nicht nur die selbst gemachten Speisen stehen im ehemaligen Bürgermeisteramt auf der Karte – Silke Beckstedde hat das Café mittlerweile in einen Kulturmittelpunkt für Bracht und Umgebung verwandelt. Künstler verwandelten das ehemalige Bürgermeisteramt schon mehrfach in ein Ausstellungshaus mit Malerei, Fotografie und Skulpturen. Auch am Donnerstag, 14. März, öffnet Silke Beckstedde das ganze Haus wieder für die Öffentlichkeit, wenn Janine Schillers. Silvia Heimbucher, Günter Heimbucher und Vera Lenssen-Thijssen ihre Werke auf das Haus verteilen.

Auch zahlreiche Autoren haben das Bürgermeisteramt schon für ihre Lesungen genutzt. Am Freitag, 29. März, kombiniert Autor Thomas Ahlers Literarisches allerdings mit Musikalischem und bringt Liedermacher Charles Ingalls mit. Am Sonntag, 17. März, gibt Rüdiger Bierhorst, der mit „Monsters of Liedermaching“ schon mehrfach bei EMS aufgetreten ist, sein musikalisches Talent zu Besten. „Wir haben hier eine Wahnsinns-Akustik“, betont Beckstedde. „Und es herrscht eine ganz intime Atmosphäre.“

(StadtSpiegel)