| 10.49 Uhr

750 Seiten spannende Geschichte

750 Seiten spannende Geschichte
Das Autorenteam mit Herausgeberin Dr. Ines Germes-Dohmen (4.v.r.) und Bürgermeister Frank Gellen (6.v.l.) im historischen Ortskern des Dohlendorfes. FOTO: Bruno Schüttler
Bracht. Wenn man genau hinsah, konnte man aus dem Gekritzel auf dem Boden des roten Sigillata-Tellers „harstvnfl“ erkennen. Das Bild wurde auf eine Leinwand projiziert, die auf der Bühne des Brachter Bürgersaales stand. Der Name des ersten namentlich bekannten Einwohners von Bracht. Von Bruno Schüttler

„Es handelt sich um die Tochter oder den Sohn des Römers Harstun, das ’fl’ steht für filia oder filius“, stellte Dr. Ina Germes-Dohmen zusammen mit Gerd Schwarz von der Verwaltung die Brachter Ortsgeschichte vor, die zum 900-jährigen Jubiläum des Dohlendorfes druckfrisch dargeboten wurde.

In 2012 hatte der Rat anlässlich der Ersterwähnung Brachts, auf der Rückseite einer Urkunde des Erzbischof Friedrichs I. von Köln aus dem Jahr 1116, die Ortsgeschichte in Auftrag gegeben. Sie wollte wissenschaftlich fundiert sein und von den Anfängen bis in die Neuzeit reichen. Mit der Aufgabe, ein Konzept zu erstellen und Autoren anzuwerben, wurde die Kempener Historikerin Germes-Dohmen beauftragt. Nach drei Jahren intensiver Suche und Arbeit in verschiedenen Archiven, liegt nun das von elf Autoren erarbeitete Werk vor. Es umfasst nahezu 750 Seiten mit über 300 Abbildungen und gliedert sich in acht Abschnitte. Mit der geologischen Analyse des Bodens durch Alfred Dickhof und Dr. Reinhold Roth werden die Standortfaktoren für Möglichkeiten der Ortsentwicklung aufgezeigt. Archäologische Funde und Befunde vor der Erwähnung in 1116 listet Dr. Clive Bridger auf und stellt die Fundstellen auf einer dem Buch beiliegenden Karte grafisch dar. Im dritten Abschnitt stellt Prof. Dr. Margret Wensky Bracht vom 12. Jahrhundert bis 1814 dar. Ergänzt wird dieser Abschnitt durch einen Beitrag von Prof. Dr. Leo Peters über die Reformierte Gemeinde. Germes-Dohmen selbst schrieb über den Zeitraum von 18814 bis zum Ende des 1. Weltkrieges 1918 und Bracht nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur kommunalen Neuordnung. Die Zeit dazwischen, Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus, wurde vom Historiker Dr. Paul Schrömbges aufgearbeitet. Erich Benner berichtet über die Zeit, seit Bracht ein Ortsteil der Gemeinde Brüggen ist. Im letzten Abschnitt, der sich mit Denkmälern und Kultur beschäftigt, wird über das Brachter Platt und das rege Vereinsleben der Brachter berichtet. Bei den Persönlichkeiten werden Hendrick Goltzius und Hermann Jacob Dingelstad gewürdigt. Ergänzt wird das umfangreiche Werk mit Listen der vermissten und gefallenen Brachter in den beiden Weltkriegen. Für Bürgermeister Frank Gellen ist die Ortsgeschichte von nun an die gesicherte historische Basis für Geschichte Brachts. Deshalb widmet die Gemeinde Brüggen das Buch als „Geburtstagsgeschenk“ allen Brachter Bürger zum Preis von 25 Euro.

(StadtSpiegel)