| 16.52 Uhr

Interview
Einzelhändler müssen ihre Hausaufgaben machen

Viersen. In Kürze eröffnet in Mönchengladbach das neue Einkaufszentrum "Minto". Für die Viersener Einzelhändler ist das kein Grund zur Sorge - aber nur, "wenn die Hausaufgaben" gemacht werden, sagt Thomas Küppers. Wir sprachen mit dem Wirtschaftsförderer der Stadt Viersen. Von Daniel Uebber

Stadt Spiegel: Herr Küppers, müssen die Viersener Einzelhändler das Minto fürchten?

Küppers: Mein Credo lautet: 'Bange machen gilt nicht'. Die Viersener Einzelhändler sollten das Minto als eine Herausforderung betrachten. Man kann nicht so tun, als käme es nicht. Doch wenn die Einzelhändler ihre Hausaufgaben machen, werden die Menschen auch weiterhin mit Freude in Viersen einkaufen kommen.

Was meinen Sie denn mit "Hausaufgaben machen"?

Küppers: Die Einzelhändler müssen verstehen, dass sie keine 'einzelnen Händler' sind. In gewissem Maße ist der eine vom anderen mit abhängig. Jeder Einzelhändler ist integraler Bestandteil des Gesamtgefüges einer Einkaufsstadt. Wenn es jeder schafft, in seinem Gewerbe Alleinstellungsmerkmale zu schaffen und sich im Vergleich zu Wettbewerbern profilieren kann, profitieren letztlich alle davon.

Trotzdem werden sicher viele Viersener nach Mönchengladbach fahren, um sich das Minto anzuschauen. Gleichzeitig zählen aber auch viele Menschen aus Mönchengladbach zu den Kunden der Viersener Geschäftsleute. Warum kommen diese Menschen in die Kreisstadt zum Einkaufen?

Küppers: Weil sie hier eine ganz andere Aufenthaltsqualität bekommen, als in Mönchengladbach. Schauen Sie sich die Hindenburgstraße doch einmal an: Leerstände, Gefällelage, austauschbare Geschäfte. Das ist nicht attraktiv. Hier in Viersen haben wir eine tolle Mischung aus inhabergeführtem Einzelhandel, Dienstleistung und punktuell Filiallisten. In bester Lage haben wir 0,0 Leerstand.

In Dülken zum Beispiel sieht das ganz anders aus...

Küppers: Ja, vor 20 Jahren haben wir in Dülken noch von einer 1-AAA-Lage gesprochen. Dülken ist ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn einzelne Bestandteile nicht mehr überzeugen und somit das Gesamtgefüge in Mitleidenschaft gezogen wird. Dülken ist aber auch speziell. Hier sehe ich auch die Immobilien-Eigentümer stärker in der Verantwortung, die es in der Vergangenheit versäumt haben, in ihre Häuser zu investieren.

Ein Schicksal wie in Dülken droht in Viersen oder Süchteln also nicht?

Küppers: Nicht, wenn die Einzelhändler den Gedanken, dass sie Teil eines Ganzen sind, weiterleben. Durch die Zusammenarbeit der Geschäftsleute im Werbering zum Beispiel sehe ich Viersen und Süchteln gut aufgestellt. Aber: Das ist der Jetzt-Zustand. Auf der aktuell guten Situation ausruhen darf sich keiner. Der Wettbewerb wird härter - natürlich auch durch das Minto in Mönchengladbach.

(StadtSpiegel)
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