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Viel Ballbesitz, aber keine Ideen

Viel Ballbesitz, aber keine Ideen
Bezeichnende Szene: Eintracht Frankfurt verteidigte geschickt und doppelte im Spiel gegen den Ball, sodass den Borussen um Raffael wenig einfiel und es am Ende eine verdiente Niederlage gab. FOTO: Getty Images
Mönchengladbach. Gegen Eintracht Frankfurt muss Borussia Mönchengladbach eine verdiente 0:1-Heimniederlage einstecken. Dem VfL fehlte im Spiel nach vorne die Entschlossenheit und das Tempo, sodass clever verteidigende Frankfurter wenig Mühe haben, den ersten Saisonsieg einzufahren. Von David Friederichs

„Denis Zakaria ist ein Spieler, der mit seinen gewonnen Zweikämpfen eine ganze Mannschaft mitreißen kann“, hatte Max Eberl kurz nach der Verpflichtung des jungen Schweizers gesagt. Seine Qualitäten zeigt er in der 30. Minute, als er seinen Körper robust gegen Kevin Prince Boateng einsetze und Szenenapplaus erntete. Doch mitreißen konnte er seine Mannschaft an diesem Tag nicht. Gerade in der ersten Hälfte fühlte man sich an das Pokalhalbfinale erinnert, als die Frankfurter ebenfalls die erste Hälfte bestimmten. Gerade einmal 46 Sekunden waren gespielt, als gestern der Ball zum ersten Mal im Tor von Yann Sommer lag, glücklicherweise hielt Boateng kurz vor der Torlinie seinen Fuß dazwischen - Abseits statt Tor. Ein Aufwecker aber war die Szene nicht für die Elf von Dieter Hecking. Ganz im Gegenteil. Frankfurt attackierte früh, schaffte immer wieder Überzahl am Ball und ließ den VfL nicht zur Entfaltung kommen. In der Defensive hatten Janik Vestergaard und Matthias Ginter große Probleme, sowohl Boateng als auch Sébastien Haller in den Griff zu bekommen. Da überraschte es wenig, dass beide sich auch für den Führungstreffer verantwortlich zeigten. Einen langen Einwurf konnte Haller auf Boateng ablegen, der aus acht Metern den Ball trocken ins Netz jagte. Der Borussia fehlte im Spiel nach vorne das Tempo, immer wieder wurde das Spiel verlangsamt, sodass sich die Gäste formieren konnten. Hecking reagierte zur Pause, weniger personell als taktisch. Mit einer Dreierkette wollte er für mehr Überzahl im Mittelfeld sorgen, den Druck auf die Eintracht-Abwehr erhöhen. Im Strafraum der Gäste wurde es dadurch aber nicht gefährlicher. Ein Distanzschuss von Lars Stindl aus 25 Metern zwang Lukas Hradecky zu einer Glanzparade, ansonsten erlebte der Schlussmann der Gäste einen eher ruhigen Nachmittag. Und das, obwohl sich der VfL nicht nur 13 Ecken erspielte, sondern am Ende des Tages auch über 70 Prozent Ballbesitz für sich in Anspruch nehmen konnte. Doch was hilft all der Ballbesitz, wenn man daraus keine Torgefahr entwickeln kann.

Eine besser Heimspielbilanz als in der vergangenen Saison hatte Max Eberl, ebenfalls vor der Saison, vorgegeben, die Niederlage gegen Frankfurt zeigte aber eher, dass sich die Mannschaft auch in dieser Spielzeit gegen tief stehende und gut gestaffelte Teams schwer tun wird. Mit Raul Bobadilla, der die letzten 20 Minuten ran durfte, hat man nun zwar einen Spielertypen in der Truppe, der genau für solche Situationen geholt wurde, eine wirkliche Bindung zum Spiel war gestern allerdings noch Fehlanzeige. Da wird es die Fans auch wenig trösten, dass der rheinische Rivale vom 1. FC Köln seit gestern Mittag die rote Laterne eingenommen hat. Die Leistung des eigenen Teams schmerzt da viel mehr.

(Report Anzeigenblatt)