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Die zeit nach der NRW-Wahl
"Wir brauchen keine Jedi-Ritter"

Die zeit nach der NRW-Wahl: "Wir brauchen keine Jedi-Ritter"
Wir trafen Tanja Jansen am Haus Bey. FOTO: Björn Rudakowski
Nettetal. Rund vier Monate sind vergangenen nach der NRW-Landtagswahl. Der Koalitionsvertrag von CDU und FDP steht. Armin Laschet (CDU) ist neuer Ministerpräsident. Was aber ist aus den Landtagskandidaten geworden, die sich im Kreis Viersen beworben haben? Heute stellen wir Tanja Jansen (SPD) aus Nettetal vor, die den Einzug in den Landtag verpasst hat.

Tanja Jansen ist seit 2008 in der SPD und Mutter von zwei Söhnen. Sie absolvierte von 1992 bis 1995 ihre Ausbildung zur Krankenschwester im Städtischen Krankenhaus Nettetal. "Der Geldbeutel der Eltern darf nicht über die Bildungschancen entscheiden", ließt man auf ihrer Facebookseite und "Wir stehen immer wieder auf. Seit 1863".

Extra-Tipp: Frau Jansen, Sie mögen Star Wars, das kann man im Internet über Sie lesen. Braucht die SPD stärkere Jedi-Ritter und über welche besonderen Fähigkeiten müssten diese verfügen?

Tanja Jansen: Die SPD lässt sich doch schwerlich mit einer Science Fiction Serie vergleichen, aber sicherlich ist eine Neuorientierung von Nöten. Nachweislich sind die Erfolge, die in den vergangenen Jahren erzielt wurden, nicht ausreichend kommuniziert und in den Vordergrund gestellt worden. Außerdem sind in der NRW SPD in den letzten Jahren zugegebener Weise manche Dinge falsch gelaufen. Mit Mike Groschek für die Übergangszeit ist die NRW SPD jedoch gut aufgestellt. Kritisch und konstruktiv werden die Fehler analysiert und daraus Schlüsse gezogen. Dazu brauchen wir keine Jedi Ritter, sondern viel motivierte Mitglieder der Partei, von der Basis bis in die Spitzen, die wieder aufstehen, wie wir es schon seit 1863 machen.

Wie wollen Sie die Wähler in NRW davon überzeugen, dass die SPD in Zukunft wieder in die Regierung gehört?

Die schwarz-gelbe Regierung hat ein schönes Erbe erhalten, volle Kassen und eine brummende Wirtschaft. Dennoch werden die Wähler die sozialen Komponenten der guten SPD Politik vermissen. Wenn ich lese, dass die Studiengebühren für Ausländer eingeführt werden, macht mich das fassungslos. Das ist AfD-Politik! Die Kampagnen der politischen Gegner drehten sich nur um Staus, innere Sicherheit und Bildung. Wir werden in der Opposition konsequent die sozialen Ungerechtigkeiten ansprechen, rausstellen und so die Wähler zurück gewinnen. Ich habe mich sehr dafür stark gemacht, dass wir keine große Koalition eingehen, so können wir aus der Opposition heraus besser die Unterschiede der politischen Richtung herausstellen. Ich bin gespannt, wie diszipliniert die Schwarz-Gelben ihre Wahlversprechen umsetzen und einhalten, vor allem wenn Herr Lindner nicht mehr mit an Bord ist.
Sie sind Krankenschwester und (noch) Vorsitzende des Ausschusses für soziale Angelegenheiten im Rat der Stadt Nettetal. Wie sehen für Sie effiziente soziale Sicherungssysteme in NRW aus?

Jeder Mensch muss von seiner Arbeit leben können und auch darüber hinaus mit seiner Rente ein auskömmliches Leben führen können. Wenn beim Thema Rente jetzt nicht gegengesteuert wird, so wird die jetzige nachfolgende Generation damit nicht zurecht kommen. Das Gesundheitssystem muss reformiert werden, so dass jedem gleichermaßen eine hervorragende Gesundheitsversorgung zur Verfügung steht. Jeder soll nach seinen Fähigkeiten eine Ausbildung erhalten und auch ein Studium absolvieren können, egal wo er her kommt oder eben welche finanziellen Mittel ihm zur Verfügung stehen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss angegangen werden für Männer und Frauen. Der Verzicht auf Kita-Gebühren, entlastet Familien mehr als jede Steuererleichterung der letzten 20 Jahre.

Mit Blick auf die Bundestagswahl, welchen Aufgaben muss sich eine zukünftige Bundesregierung stellen?

Die Rente wird ein wichtiges Thema sein. Auch die Arbeitsbedingungen im Land müssen weiter verbessert werden, auch an den Mindestlohn muss noch mal ran gegangen werden. Viele Menschen fühlen sich vernachlässigt und abgehängt, deshalb wird die soziale Gerechtigkeit ein sehr drängendes Thema sein, dem sich beherzt angenommen werden muss.