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Wenn das Spiel zur Sucht wird

Wenn das Spiel zur Sucht wird
Yella Lennartz, Präventionsbereich der Suchtberatung, Sozialarbeiterin Ria Meis vom Berufskolleg Viersen, und Anne Geerlings, Beraterin der Suchtberatung (v.l) geben Infos zu Glücksspielsucht. Fotos (2):Gina Dollen
Viersen. Zum bundeswieten Aktionstag Glücksspielsucht hat die Suchtberatung "Kontakt-Rat-Hilfe" Schüler des Berufskolleg Viersen zum Thema informiert. Das Ziel: Information und Prävention. Von Gina Dollen

Wenn das nächste Level zum wichtigsten persönlichen Ziel wird, das letzte bisschen Geld auf dem Pokertisch landet oder der Gang ins Casino wichtiger wird, als Partner, Kinder und Freunde, dann ist sicher: Hier ist die Unterhaltung "Glücksspiel" zu einer gefährlichen Sucht geworden. Um von Anfang an zu verhindern, dass Menschen in diesen Teufelskreis geraten, war die Suchtberatung "Kontakt-Rat-Hilfe" zu Gast im Berufskolleg Viersen.

"Es sind immer häufiger junge Menschen, besonders junge Männer betroffen", weiß Yella Lennartz von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe. Der Grund: Glücksspiel im Internet boomt. Es gibt immer mehr Möglichkeiten dort um Geld zu spielen, die Altersgrenze verschwimmt im anonymen Web. Die Jugendlichen, die durch eine Ausbildung gerade ihr erstes Geld verdienen, lernen eine neue Welt kennen und sehen Euros und Erfolg. Was sie dafür aufgeben, merken sie meist viel zu spät. Etwa jeder zehnte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren setzt mehrmals im Monat Geld beim Spielen ein.

"Das Gefährliche an der Glücksspielsucht ist die Tatsache, dass Glücksspiel, im Gegensatz zu zum Beispiel Drogen, legal ist. Außerdem sind die Folgen zunächst nicht sichtbar und fallen erst sehr spät auf", erklärt Anne Geerlings von der Suchtberatung. Für Außenstehende sollte das erste Anzeichen der soziale Rückzug sein. Freunde und Hobbys werden vernachlässigt, der Betroffene flüchtete mehr und mehr in eine andere Welt. Neben der Beratung für Betroffene bietet Kontakt-Rat-Hilfe deshalb auch Hilfe für Angehörige an.

In eine Schule ist das Team der Suchtberatung an diesem Tag ganz bewusst gekommen. Da Betroffene immer jünger werden, ist dies der beste Ort, um vorzubeugen. "Kinder und Jugendliche besitzen immer früher Smartphones. In Spieleapps kann dann zum Beispiel ein Level für einen bestimmten Geldbetrag übersprungen werden. Genau da fängt es an", sagt Yella Lennartz. Später werden dann zum Beispiel das festgelegte Geldlimit überschritten, Geld geliehen oder sogar Ausweisdokumente gefälscht.

Ist jemand einmal in der Spielsucht gelandet, ist gerade bei Jugendlichen die Hemmschwelle groß, sich Hilfe zu holen. "Auch aus diesem Grund sind wir hier", sagt Yella Lennartz: "Wir wollen zeigen, dass es uns gibt, dass wir wirklich nett sind und helfen möchten. Statt abzuschrecken, wie es früher oft die Regel war, informieren wir umfangreich über das Thema."

Gerade die Information ist gleichzeitig ein großer Teil der Prävention. Die Jugendlichen sollen eine bestimmte Haltung zum Glücksspiel und das Selbstbewusstsein entwickeln, einfach mal "Nein" sagen zu können.

In der Suchtberatung in Viersen-Dülken sowie in den Außenstellen in Willich, Nettetal und Kempen kann man sich nicht nur kostenlos und anonym informieren und das eigene Glücksspielverhalten diagnostisch abklären lassen, sondern auch unter professioneller Begleitung den Ausstieg aus der Sucht bewältigen.

(StadtSpiegel)