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Schwalmtaler fährt 38-Jährigen tot

Schwalmtaler fährt 38-Jährigen tot
Ermittler Ingo Thiel bei der Pressekonferenz. FOTO: Heike Ahlen
Mönchengladbach/Schwalmtal (hei). Die Polizei ist sicher: Es war ein Rennen. Ein 28-Jähriger befindet sich in Untersuchungshaft, der Staatsanwalt stuft Tat als Mord ein. Weitere Zeugen werden dringend gesucht. Von Heike Ahlen

Am Freitagabend gegen 23.10 Uhr ist es auf der Fliethstraße in Mönchengladbach zu einem Ereignis gekommen, das zunächst so wirkte, als sei es ein Verkehrsunfall mit tragischem tödlichem Ausgang. Aber noch in der Nacht wurde klar: Es war ein Rennen.

Der 38-jährige Mönchengladbacher Alexander H. hatte die Fliethstraße überquert. Wie schnell genau der schwarze Seat Cupra von Manuel S. aus Schwalmtal war, als er ihn erfasste, ist noch nicht ausgewertet. Nach den ersten Sachverständigen-Gutachten geht die Polizei von mindestens 90 Stundenkilometern aus. Zeugenaussagen beschrieben sogar eine deutlich höhere Geschwindigkeit. Der Mönchengladbacher flog 36 Meter weit und wurde dann unter einem geparkten Auto eingeklemmt.

Er starb noch an der Unfallstelle an seinen Verletzungen. Die am Samstag durchgeführte Obduktion ergab multiple Verletzungen. Zum Tod führte letztendlich eine Schädelverletzung mit Hirnstammabriss.

Manuel H. hatte in der Nacht nach seiner Vernehmung zunächst gehen dürfen. Am Samstagmorgen war dann eine 17-köpfige Ermittlungskommission unter der Leitung von Ingo Thiel ins Leben gerufen worden. Da hatte sich der Verdacht, dass es sich um ein Rennen gehandelt haben könnte, bereits abgezeichnet.

Und tatsächlich konnten die Ermittler auf zahlreiche Videos entlang der Rennstrecke zurückgreifen und sich ein Bild machen.

Demnach waren insgesamt drei, nicht, wie zunächst vermutet, zwei Autos, an der Raserei beteiligt. Der Fahrer eines silbernen Seat-Ibiza, ein 25-Jähriger aus Willich, hatte nicht angehalten, nach ihm war gefahndet worden. Er stellte sich in Begleitung seines Anwalts am späten Sonntagnachmittag bei der Polizei in Mönchengladbach. Mit ihm im Auto waren zwei Bekannte gewesen. Ein 22-jähriger Golf-Fahrer aus Mönchengladbach, der mit seiner Verlobten unterwegs war, hatte sich an der Unfallstelle als unbeteiligter Zeuge dargestellt. Die Ermittlungen haben etwas anderes ergeben.

Alle drei Fahrer – das sei sicher, so Kommissionsleiter Ingo Thiel – seien vorher bei einem Schnellrestaurant an der Korschenbroicher Straße gewesen. Ob es dort eine verbale Verabredung zu einem Rennen gegeben habe, ob man sich nur zugenickt habe oder ob zunächst alle unabhängig voneinander von dem Parkplatz gefahren seien und sich erst an der Kreuzung Theodor-Heuss-Straße/Rathenaustraße an der Ampel auf das Rennen verständigt haben – das ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen. Dazu sucht die Polizei dringend Zeugen aus der Nacht. Besonders gesucht wird der Fahrer eines schwarzen Kombi, der an dieser Kreuzung auf der linken der beiden Geradeausspuren an der Ampel stand, als das Rennen begann. Er steht nicht im Verdacht, beteiligt zu sein, könnte aber möglicherweise wertvolle Angaben machen.

Der Untersuchungshaftbefehl gegen Manuel S. lautet auf Mord. Erst in jüngster Zeit hatte es Urteile gegen Teilnehmer von Autorennen auf öffentlichen Straßen gegeben, die das Überfahren eines Menschen als Tötungsdelikt werden. „Dass das so ist, entspricht schon lange meiner Überzeugung“, sagt Staatsanwalt Stefan Lingens. In Mönchengladbach sei es aber der erste Fall. Dass anders als in Berlin gegen die beiden anderen Beteiligten nicht ebenfalls wegen Mordes, sondern zunächst nur wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Verkehrsgefährdung ermittelt werde, liege an der momentanen Erkenntnislage. „Das kann sich im Verlauf der Ermittlungen noch ändern“, betont Lingens.

Alle drei Beteiligten sind bislang noch nie mit Delikten in Erscheinung getreten. Der Schwalmtaler arbeite als Installateur, komme aus einem intakten Umfeld, erklärt Thiel auf Nachfrage. Auch Bekannte beschreiben ihn als sehr freundlich und hilfsbereit, nur eben mit einer Vorliebe für schnelle Autos. Die könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden.

(StadtSpiegel)