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Trotz dramatischen Fachkräftemangels
Pflegen ist Berufung

Trotz dramatischen Fachkräftemangels: Pflegen ist Berufung
Kim-Holger Kreft (links) und Dr. Thomas Axer, die beiden Geschäftsführer des Allgemeinen Krankenhauses in Viersen, stellten ihre Position zum Pflegeberuf dar. FOTO: Björn Rudakowski
Viersen. Der AKH in Viersen hatte zur Diskussion gebeten. Das Thema: Fachkräftemangel in der Pflege. Kim-Holger Kreft und Dr. Thomas Axer vom Allgemeinen Krankenhaus (AKH) in Viersen nahmen Stellung. Gibt es einen Weg aus der Krise? Von Björn Rudakowski

Höher Wertschätzung, eine geringere Akademisierung und natürlich eine finanzielle Aufwertung des Pflegeberufes wurden als mögliche Auswege benannt. Die Einladung der Geschäftsleitung des AKH richtete sich auch an den CDU-Bezirk Alt-Viersen, um gemeinsam ein wesentlich positiveres Bild des Pflegeberufes zu zeichnen, als das, was derzeit in den Medien grassiere. "Weil Pflege, trotz allem, ein schöner Beruf ist", sagte Kim-Holger Kreft.

Unter der Leitung der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Anne Kolanus kam nahezu der gesamte Stadtverband der CDU zur Veranstaltung. In ganz NRW seien derzeit rund 2.500 Stellen in Krankenhäusern unbesetzt, gibt das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung an. "Vor fünf, sechs Jahren war das Problem noch nicht so groß", versicherte Dr. Thomas Axer.

Nach wenigen Minuten der Veranstaltung stellte sich nicht nur das Viersener CDU-Urgestein Fritz Meies, die Frage, wo denn das Positive im Pflegeberuf bleibe? Die Zielsetzung der Veranstaltung war trotz einer ausgewogenen Themenliste "Intensivierung der Werbung, um neue Auszubildenden interessieren zu können.(…) Augenhöhe von Ärzten und Pflegekräften (…) Vergütungsverbesserung" nicht direkt greifbar. Wenn dies beabsichtigt war, um einer späteren ergebnisoffenen Diskussionsrunde keine vorweggenommene Richtung zu geben, muss man dies als gelungen hervorheben.

Betriebsratsvorsitzender Stephan Sauter-Vallen schien als Besucher der Veranstaltung ein Déjà-vu zu durchleben. In den 70er Jahren und auch am Ende der 90er Jahre habe es bereits einen erheblichen Fachkräftemangel gegeben, erinnerte sich der in den 90er Jahren umgeschulte Krankenpfleger. In den 70er Jahren wurden wie heute ebenfalls Wege gesucht, um ausländischen Pflegekräften den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. "Damals sind viele Vietnamesen in die Pflege gekommen. Heute sind die Auswirkungen des Fachkräftemangels jedoch noch katastrophaler", stellt er nüchtern fest.

Es war jedoch zu spüren, dass Betriebsrat und Geschäftsleitung im AKH-Viersen ihre Hausaufgaben gemacht hatten, um ihren Standort lukrativ zu halten. Ein Haustarif biete ein wenig mehr Flexibilität als andere Tarifwerke in den Pflegeberufen. Mitarbeiter, die Fachkräfte werben, bekämen eine Prämie, wenn die geworbene Person die Probezeit besteht, hieß es. Wer in seinem "Frei" einspringt, erhält einen erheblichen Zuschlag. Vergünstigungen bei Einkäufen in der Krankenhausapotheke gehören zu weiteren Anreizen.

"Schon jetzt würde man gerne mehr einstellen, es fehlt jedoch an Fachpersonal", war das Mantra des Abends.

Falls die derzeit bundespolitisch verhandelte Mindestbesetzung in pflegeintensiven Bereichen für die Krankenhäuser kommen sollte, müssten sicherlich jedoch einige Krankenhäuser, die die Mindestquote nicht halten könnten, darüber nachdenken, bestimmte Fachbereiche zu schließen. Eine medizinische Unterversorgung der Bevölkerung sei die Folge, mahnte Axer. Er verwies direkt auf die jüngst vollzogene Stationsschließung – aufgrund von Fachkräftemangel – an der Uni-Klinik Münster.

Die Forderung nach einer Mindestbesetzung würde aus Sicht eines Ökonomen einfach nur zu mehr Wettbewerb am Krankenhausmarkt führen, bei dem die Häuser, die die Fachkräfteakquise am besten in den Griff bekommen, am Ende das Rennen machen. In der Versorgung kranker Menschen lassen sich die üblichen Prinzipien der Ökonomie wesentlich schwieriger vermitteln.

Am Ende hinterließ die Veranstaltung mehr Fragezeichen als sie ausräumen konnte.

(Report Anzeigenblatt)
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