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Pflege-Notstand: „Es muss einen Aufschrei geben!“

Pflege-Notstand: „Es muss einen Aufschrei geben!“
Nicht jede pflegebedürftige Person hat das Glück, rundum gut versorgt zu werden. Foto: Fotolia/ Kzenon FOTO: gggg
Brüggen. Was macht man mit lieben Angehörigen oder Freunden, wenn diese pflegebedürftig werden? Pflegebedürftige Personen, die keine Angehörige haben, haben es besonders schwer. Von Claudia Ohmer

Dr. Johann Heinrich Arens vom Hausarztzentrum Brüggen hat mit weiteren Mitgliedern im vergangenen Jahr den gemeinnützigen Verein Zapuh (Zentrum für ambulante Palliativversorgung und Hospizarbeit GrenzLand) gegründet.

Er schildert einen Fall aus seiner täglichen Arbeit: „Eine hochbetagte allein lebende Patientin wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Die 92-Jährige ist dement und wird gepflegt von einer Nachbarin, die aber offensichtlich mit der Situation überfordert ist. Daher hat sie den Rettungsdienst gerufen“, erklärt Arens, der gemeinsam mit der ZaPuh-Koordinatorin Ida Lamp Kontakt zu Krankenhaus und Pflegeleitung aufgenommen hatte, um klarzustellen, aus welchen Gründen die Krankenhauseinweisung stattgefunden hatte. „Aus unserer Sicht war es nötig, die Patientin in eine Kurzzeitpflege zu übergeben. Deswegen, weil die nächsten Verwandten in Urlaub sind, und weil die pflegende Nachbarin überfordert ist“, sagt Arens.

Doch leider war das Ergebnis, dass die Patientin nach Hause entlassen wurde. Am Nachmittag stand man dann vor der Aufgabe, Menschen zu finden, die sich um die Patientin kümmern. Über Nacht sei eine Betreuung nicht möglich gewesen. Alle zur Verfügung stehenden Altenpflegeeinrichtungen hatten keine Pflegeplätze frei. Probleme gab es zudem noch wegen der fehlenden Betreuungsvollmacht, so dass auch noch das Ordnungsamt eingeschaltet werden musste. Schließlich konnte die 92-jährige demente Frau in St. Laurentius in Elmpt unterkommen.

Nur dank des Einsatzes vieler ehrenamtlicher Kräfte von Zapuh und Mitarbeiter der Praxis sei es möglich gewesen, diese Situation zu meistern. Was macht also ein alter Mensch, der Hilfe braucht, und nicht von Pontius nach Pilatus geschickt werden will? Die Notwendigkeit der Einrichtung eines „gemeinsamen nützlichen Systems“ möchte Dr. Johann Heinrich Arens mit diesem Fallbeispiel deutlich machen. „Stellen Sie sich nur mal vor, diese Frau hätte diese Begleitung nicht, sie müsste die Nacht alleine verbringen, verwirrt, ohne Ansprache, etc. Für solche Menschen müssen wir kämpfen.“

Auch Ida Lamp, Koordinatorin von Zapuh fordert: „Es muss einen Aufschrei geben, ehe wir was grundlegend ändern können und damit solche Abläufe, die heute schon an der Tagesordnung sind, vermieden werden können.“

(StadtSpiegel)
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