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Serie "Ich helfe gern"
Im Einsatz für Demenzkranke

Serie "Ich helfe gern": Im Einsatz für Demenzkranke
Annedore Lennartz (l.) engagiert sich ehrenamtlich für Demenzkranke. So auch für die 75-jährige Marianne. FOTO: Uebber
Kreis Viersen. Unsere Serie "Ich helfe gerne" begleitet heute Annedore Lennartz aus Overhetfeld bei ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Demenzhelferin. Von Daniel Uebber

Besuch bekommt Marianne nie. "Meine Familie, das ist jetzt die Annedore. Sie ist die Mama und ich das Kind", sagt die 75-Jährige. Seit 35 Jahren lebt sie im Evangelischen Altenzentrum in Grefrath-Oedt. "Sie ist hier ein echtes Urgestein, und ich freue mich jeden Tag darauf, sie hier zu sehen", sagt Annedore Lennartz. Als ehrenamtliche Demenzberaterin engagiert sie sich seit 14 Jahren in dem Altenzentrum, kommt rund fünf Mal die Woche vorbei, trinkt mit den Bewohnern Kaffee, unterhält sich mit ihnen, hilft Angehörigen weiter und ist einfach nur für die Menschen da, die manchmal schon vergessen haben, wie das Leben "draußen" eigentlich ist.

Schätzungsweise 80 Prozent der rund 200 Bewohner in dem ehemaligen Krankenhaus an der Oststraße leiden unter Demenz. Manche sind noch recht mobil, andere hingegen sind bettlägerig und haben nur ganz wenige wache Momente. "So erging es auch meiner eigenen Mutter, die vor 28 Jahren an Demenz erkrankte", sagt Annedore Lennartz. Damals, mit zwei eigenen kleinen Kindern und dem Job als Bankkauffrau, war die Diagnose für die 57-Jährige erst einmal ein Schock. 14 Jahre lang pflegte sie ihre Mutter zu Hause, als dann ihr Vater ebenfalls an Demenz erkrankte, ging es nicht mehr. Die Eltern zogen in das Altenzentrum ein - "und ich bin quasi gleich mit eingezogen."

Und auch, wenn die eigenen Eltern inzwischen schon gestorben sind, steht Annedore Lennartz fast jeden Tag im Altenzentrum "auf der Matte". "Als erstes 'fege ich hier einmal durch'. Das heißt, ich gehe einmal durchs Haus, spreche mit den Bewohnern, sage jedem Hallo", sagt sie. Apropos "Hallo sagen": Zu jedem Bewohner hat Annedore Lennartz ein inniges Verhältnis: Ohne Umarmung kommt sie meistens nicht weiter. Von Bewohnerin Anita gibt es sogar ein Handkuss - und eine kleine Liebeserklärung: "Du bist ein Schatz."

"Körperkontakt ist fast allen Demenzkranken wichtig. Leider haben aber viele Menschen Berührungsängste. Manchmal muss man sie auch mal knuffen, frech sein. Viele mögen das", sagt Annedore Lennartz, die nach etlichen Fortbildungen mittlerweile auch Demenzpflegekurse in der Kreis-Volkshochschule gibt. "Hierher kommen vor allem Angehörige, die nicht mehr weiter wissen. Viele von ihnen sehen bei ihren Demenz-erkrankten Angehörigen nur noch den Verfall. Dass ein liebenswertes, individuelles und auch schönes Leben mit Demenz aber trotzdem möglich ist, möchte ich den Menschen mit auf den Weg geben."

Einmal pro Woche hat die Ehrenamtlerin auch einen festen "Oma-Tag". Dann passt sie auf ihre sieben Monate alte Enkelin auf. Die Bewohner im Altenzentrum kennen die kleine Adina natürlich von ganz vielen Fotos, fragen auch stets nach, wie es ihr geht.

"Manchmal sitze ich im Auto und weine"

"Man bringt viel Privates mir hier her - nimmt aber auch viel Privates mit nach Hause", sagt Annedore Lennartz. Besonders schwer sei, wenn mal ein Bewohner stirbt. "Dann sitze ich auch schon mal im Auto und weine erst mal. Doch als überzeugte Christin schöpfe ich viel Kraft aus meinem Glauben."

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