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Hinsehen! Vorbeugen!

Hinsehen! Vorbeugen!
Partner der Schulen beim Thema Krisenprävention: (v.l.) Harald Lamers (Kreispolizeibehörde), Silke Splinter und Sebastian Stammsen (Unfallkasse NRW), Dr. Ingo Spitczok von Brisinski (LVR-Klinik Süchteln), Kreisdirektor und Bildungsdezernent Ingo Schabrich, Walter Steinhäuser (Schulaufsicht) und Alexander Klinkner (Schulpsychologischer Dienst des Kreises Viersen). FOTO: Kreis Viersen
Kreis Viersen. 21 Schulleiter und Mitglieder schulischer Krisenteams von vier Gymnasien und drei Hauptschulen aus dem Kreis Viersen haben sich bei einer Fortbildung mit der Frage beschäftigt, wie sie – gemeinsam mit den wichtigsten Partnern – schulischen Krisen und Gewalt effektiv vorbeugen können. Von der Redaktion

Zu der Podiumsdiskussion und den Workshops waren Experten aus den Bereichen Polizei, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Unfallkasse, Schulaufsicht und Schulpsychologie ins Forum des Kreishauses gekommen.

Unter Krisen verstehen die Fachleute Notfälle und Ereignisse, die eine einzelne Person, eine Gruppe, oder auch die ganze Schule so stark beeinträchtigen, dass schnelles Handeln und professionelle Unterstützung notwendig werden. Die Bandbreite reicht dabei von Cyber-Mobbing über Gewalt auf dem Schulhof bis zum Amoklauf.

Der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Süchteln, Dr. Ingo Spitczok machte deutlich, wie wichtig es ist, dass die Schule Regeln aufstellt und danach lebt. „Ich halte es für wichtig, Themen wie allgemeine Prävention in den Unterricht einzubauen und sich bei der individuellen Prävention auf Schüler mit hohem Risikofaktor zu konzentrieren.“

Kriminalhauptkommissar Harald Lamers, bei der Viersener Kreispolizei unter anderem zuständig für Jugendschutz und Jugendgewalt, nahm die Cyber-Krimininalität in den Blick. „Während die physische Gewalt auf dem Schulhof rückläufig ist, haben wir es heutzutage immer häufiger mit Cyber-Mobbing und jugendgefährdenden Inhalten zu tun“, lautet das Fazit des Experten. „Es lässt sich technisch kaum verhindern, dass Kinder mit jugendgefährdenden Seiten in Berührung kommen.“

Schulrat Walter Steinhäuser, bei der Bezirksregierung Düsseldorf auch Dezernent für Schulkrisen, riet zu einem offenen Umgang mit Krisen: „Schulen sollten nicht wegschauen und verdrängen, nur aus Angst, dass der Ruf der Schule beschädigt wird. Im Gegenteil: Schulen werden als stark erlebt, wenn sie sofort handeln.“

Diplom-Psychologe Alexander Klinkner, Krisenbeauftrager und Organisator der Veranstaltung vom Schulspychologischen Dienst für den Kreis Viersen, lenkte den Blick auf die Schüler. „Wir sollten die Schüler aktiver fragen und in die Prävention mit einbeziehen. Freundlichkeit und Zugewandtheit kosten nichts.“

Diplom-Psychologe Sebastian Stammsen von der Unfallkasse NRW machte deutlich, dass alle Initiativen und Gruppen der Schule in die Krisenvorbeugung einbezogen werden sollten. „Es ist wichtig, den Blick auf Klima und Kultur in der Schule zu legen. Schulen sollten angesichts knapper Ressourcen nur das tun, was ihnen im Kerngeschäft „Unterricht“ hilft.“

(Report Anzeigenblatt)