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Fall Luca: Stiefonkel hat ausgesagt

Fall Luca: Stiefonkel hat ausgesagt
Amanda Z. und ihre Anwälte beim Prozessauftakt.. FOTO: Heike Ahlen
Dülken/Mönchengladbach. Der Prozess um den Tod des kleinen Luca aus Dülken geht weiter. Am dritten Prozesstag äußerte sich der Bruder von Lucas Vater zu Wort. Von Heike Ahlen

Am Freitag ist der Prozess um den Tod des fünfjährigen Luca aus Dülken vor dem Landgericht in Mönchengladbach fortgesetzt worden. Seine Mutter Amanda Z. muss sich wegen Misshandlungen durch Unterlassen vor dem Gericht verantworten, seinem Stiefvater Martin S. werden Misshandlungen und Totschlag vorgeworfen.

„Ich frage mich die ganze Zeit, warum der Herr S. so relativ schnell erzählt, dass Luca an Erbrochenem gestorben ist“, sagt Richter Lothar Beckers am Ende des Prozesstags nachdenklich, bevor er die Verhandlung schließt.

Denn das hatten inzwischen mehrere Zeugen berichtet, dass sie vom Tode Lucas erfahren hätten und Martin S. kurz darauf geschrieben habe, er sei an Erbrochenem erstickt.

Tatsächlich erklärte die Notärztin, man habe im Mund des Jungen Mageninhalt gefunden. Das aber könne eine Folge der Reanimation sein. Martin S.’ zwei Jahre älterer Bruder hatte der Polizei einen Screenshot von Whatsapp-Nachrichten zur Verfügung gestellt, in denen Martin S. zunächst nur „Luca ist tot“ schreibt. Auf die Nachfrage, woran er gestorben sei, kommt zuerst ein „Keine Ahnung“ zurück. Dann die Information, er sei an Erbrochenem erstickt.

Der Bruder beschreibt das Verhältnis zwischen Luca und seinem Stiefvater als gut. „Der Kleine hat sich in der Zeit mit meinem Bruder gut entwickelt“, sagt der Vater von zwei Kindern. Sein älterer Sohn sei das Patenkind seines Bruders, genau im gleichen Alter wie Luca. Und dieses Kind habe eine innige Beziehung zum Patenonkel. Auf die Frage, ob er an Luca überdurchschnittlich häufig blaue Flecken bemerkt habe, beschreibt er Luca als „tollpatschig“. Ihm sei nichts Besonderes aufgefallen.

Davon, dass Luca gestürzt sein solle und es anschließend ein Kontaktverbot für seinen Bruder gab, habe er gewusst – aber nie gefragt, warum das Gericht nicht an die Unfallversion glaubte. Dass Amanda Z. und sein Bruder trotz dieses Verbots weiter zusammengelebt hätten, sei „auch kein Geheimnis“ gewesen.

Als weiter Zeugen sagten die Rettungssanitäter aus, die Martin S. bei der Reanimation des Kindes abgelöst hatten. Luca habe leblos gewirkt, das EKG habe eine Null-Linie gezeigt. Im Krankenhaus war später der Tod des Jungen festgestellt worden. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

(Report Anzeigenblatt)