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Drei Landtagsabgeordnete für den Kreis

Drei Landtagsabgeordnete für den Kreis
Landrat Dr. Andreas Coenen (re.) gratuliert den Wahlsiegern Dr. Marcus Optendrenk, Dr. Stefan Berger, und Dierma Brockes (v.l.). FOTO: Ahlen
Kreis Viersen. Dr. Stefan Berger, Marcus Optendrenk (beide CDU) und Dietmar Brockes (FDP) bleiben Landtagsabgeordnete für den Kreis. Von Heike Ahlen

Jubel und tränen lagen eng beieinander an diesem Sonntag im Kreishaus in Viersen. Als um Punkt 18 Uhr die erste Prognose über den Bildschirm flimmerte, klatschten CDU-Anhänger anhaltend. Hannelore Kraft tritt zurück, spricht vom „historisch schlechtesten Ergebnis der NRW-SPD“, während Christian Lindner das „beste NRW-FDP-Ergebnis aller Zeiten“ feiert.

Um 18.23 Uhr flattert der erste Stimmbezirk des Kreises hinein. Bis der letzte da ist, soll es fast vier Stunden später werden. Der erste kommt aus Schwalmtal – und er ist noch überhaupt nicht repräsentativ. Hier kommt die CDU auf über 51 Prozent, die SPD auf gut 18, die Grünen auf mehr als zwölf und die FDP nur auf gut zwei Prozent. Doch die meisten Fragen drehen sich darum, ob die Linke nun den Einzug ins Parlament schafft oder knapp verpasst – denn das würde die Palette der möglichen Koalitionen entscheidend verändern. Günter Solecki, der für die Linke im anderen Wahlkreis im Kreis antritt, ist zu diesem Zeitpunkt noch optimistisch – die Hochrechnungen gehen davon aus, dass seine Partei genau 5,0 Prozent der Stimmen holt. Solecki glaubt sogar, dass sich das Ergebnis noch verbessern werde, wenn erst die großen Städte im Ruhrgebiet ausgezählt seien.

Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Um kurz vor 19.30 Uhr kippen die Hochrechnungen bei ARD und ZDF. Die Linke im Land kommt nun nur noch auf 4,9 Prozent. Damit wäre der Weg für schwarz-gelb frei.

„Es war eine Stimmung, wie ich sie die vergangenen 15 Jahre nicht im Wahlkampf erlebt habe“, sagt Marcus Optendrenk (CDU). Er gewinnt erneut das Direktmandat im Wahlkreis Viersen II, also in Nettetal, Brüggen, Niederkrüchten, Grefrath und Kempen. Sein Fraktionskollege Stefan Berger kann ebenfalls zum wiederholten Male den Wahlkreis Viersen I mit Viersen, Schwalmtal und Willich für sich entscheiden. Seine erste Analyse: „Es war eine Abwahl von Rot-Grün, die Themen Innere Sicherheit und Bildung haben dominiert. Jetzt müssen wir eine Koalition hinkriegen, die das Beste für NRW erreicht.“

Der Dritte im Bunde der Landtagsabgeordneten ist der Brachter Dietmar Brockes, auch kein Neuling in Düsseldorf. Die FDP liegt im Kreis traditionell über dem Landesdurchschnitt. In seiner Heimatgemeinde Brüggen kommt Brockes bei den Erststimmen auf 18,89 Prozent, bei den Zweitstimmen auf 17,6 Prozent.

Sein Viersener Mitstreiter Frank A Campo zieht nicht in den Landtag ein, aber auch er ist begeistert. „Da passt alles“, sagt er. „Ein Super-Ergebnis für die FDP, den Politikwechsel erreicht und drittstärkste Kraft geworden.“

Der CDU- Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer freut sich natürlich riesig. Anders sein SPD-Kollege Udo Schiefner: „Ein desaströses Ergebnis, schockierend.“ Die Landtagskandidaten Tanja Jansen – die mit den Tränen kämpft – und Hans Smolenaers nimmt Schiefner in Schutz. Gegen diesen Landestrend habe man im Kreis keine Chance gehabt. Die Bundestagswahl im September sei damit aber noch nicht verloren.

Der grüne Kreisvorsitzende Jürgen Heinen ist sichtlich enttäuscht. Er teile Sylvia Löhrmanns Einschätzung, „dass wir in der Koalition große Fehler gemacht haben“. Themen aus dem ländlichen Raum seien beispielsweise nicht aufgegriffen worden. Wenn das Ergebnis analysiert sei, müsse es auch personelle Konsequenzen auf Landesebene geben, forderte er. Sein Lichtblick: Die bisherige Landtagsabgeordnete Martina Maaßen, die nicht nach Düsseldorf zurückkehrt, holte ein Ergebnis über dem Landesdurchschnitt, in ihrer Heimatstadt Viersen holte sie knapp 7,4 Prozent der Erststimmen.

(StadtSpiegel)