| 14.31 Uhr

Die Trauer als gemeinsamer Weg

Die Trauer als gemeinsamer Weg
In der Befindlichkeitsrunde sprechen die Kinder mit Trauerbegleiterin Waltraud Aengenvoort über ihre Gefühle. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Kinder trauern anders als Erwachsene, wenn sie einen geliebten Menschen verloren haben. Auf diese besonderen Bedürfnisse einzugehen, ist Sinn und Zweck einer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) gesponserten Trauergruppe, die sich speziell an Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis 13 Jahren richtet. Von Thomas Hippel

Waltraud Aengenvoort, Diplom-Sozialpädagogin und Trauerbegleiterin, sucht das Gespräch mit vier Jungen und einem Mädchen, die sich an diesem Nachmittag im DRK-Haus an der Carl-Diem-Straße eingefunden haben.

Im Kreis angeordnet sitzen die Kinder auf dem Boden, um im Rahmen der eingangs stets stattfindenden Befindlichkeitsrunde ihrer aktuellen Gefühlslage Ausdruck zu verleihen. Dabei reden sie ganz offen. Es ist eine intime Atmosphäre, die hier herrscht, und dass ein Pressevertreter dieser Runde beiwohnen darf, ist daher auch nicht vorgesehen. Heute allerdings ist eine Ausnahme, denn es geht kreativ und spielerisch zu. Aus Schuhkartons sollen „Schatzkisten“ gebastelt werden, in die die Kinder Erinnerungsstücke an verstorbene Familienmitglieder legen können.

Bevor es jedoch soweit ist, steht zunächst einmal ein Tast- und Riechkurs, den Waltraud Aengenvoort und ihre Kollegin Nicole Füngerlings für die Kinder vorbereitet haben, auf dem Programm. Mit verbundenen Augen gilt es, verschiedene Objekte zu erfühlen und zu erreichen. Anschließend geht es ins Freie, wo – ebenfalls ohne Hilfe der Augen – die Geräuschkulisse wahrgenommen werden soll. Aengenvoort erklärt: „Es geht bei diesen Übungen darum, den Kindern bewusst zu machen, dass die Erinnerung an die Verstorbenen mit allen Sinnen geschehen kann. Das T-Shirt, das mir als Erinnerungsstück geblieben ist, das rieche ich ja auch.“

Es gehe in der Trauergruppe vor allem um das Wahrnehmen, Anschauen und Reflektieren, sagen die Gruppenleiterinnen. Der Ansatz ist familiensystemisch. Das heißt, die gesamte Familie wird in den Blick genommen und im Trauerprozess begleitet. „Die Bezugspersonen der Kinder sind unser erster Ansprechpartner“, so Aengenvoort, „wir geben den Familien Hilfe zur Selbsthilfe.“ Ziel sei die Stärkung des Selbstvertrauens der Trauernden.

Als die Kinder am Ende des Treffens ihre fertigen „Schatzkisten“ präsentieren, ist ein weiterer Schritt auf dem Weg aus der Trauer zurückgelegt. Es ist einer der letzten für die ansonsten sechsköpfige Gruppe. Wenn der abschließende Termin, ein Fest für die Kinder und ihre Familien, beendet ist, werden sie sich insgesamt zehn mal getroffen haben, werden „Gefühlsuhren“ gebastelt, „Kraft-Bäume“ mit Blättern behängt und – auch dadurch soll Normalität vermittelt werden – regelmäßig zusammen zu Abend gegessen haben.

Der Aspekt der Gemeinschaft auf dem Weg aus der Sprachlosigkeit hinein in die Handlungsfähigkeit ist dabei ein entscheidender. Schließlich ist der Austausch der Kinder untereinander, so die Gruppenleiterinnen, die beste Trauerbegleitung, die es gibt.

(Report Anzeigenblatt)