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Der Tod gehört zum Leben dazu

Der Tod gehört zum Leben dazu
Das Team der Hospizinitiative wurde durch 17 neue Ehrenamtler verstärkt. FOTO: Angelika Lennertz
Kreis Viersen. Die Hospizinitiative Kreis Viersen gibt es seit 23 Jahren. Sie hat ihren Sitz am Hildegardisweg in Viersen. Aktuell gibt es 17 neue Ehrenamtler. Ein weiterer Kurs startet im März. Von Heike Ahlen

16 Frauen und ein Mann haben seit dem Frühjahr ein Seminar der Hospizinitiative Kreis Viersen besucht und sind jetzt bereit, Sterbende zu begleiten. Kirstin Werkes, Dieter van Mierlo und Uta Minten sind drei von ihnen. Mit dem Extra-Tipp haben sie über ihre Beweggründe gesprochen, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Kirstin Werkes ist Betreuungs assistentin in einem Seniorenheim, sie kümmert sich insbesondere um Menschen, die keine Angehörigen haben. Dieter van Mierlo hat bereits Freunde, Bekannte und Familienangehörige bis zu ihren letzten Atemzügen begleitet. „Wichtig ist es immer, den heutigen Tag zu sehen“, sagt der 67-Jährige. „Die entscheidende Frage ist: Wie geht es Dir heute? Nicht gestern oder generell, sondern heute.“ Zeit bekomme eine andere Dimension, werde wertvoller, ergänzt Gerda Kretschmann. Sie ist Koordinatorin der Initiative, bei ihr laufen die Fäden zusammen. Sie nimmt die Anfragen entgegen, die über Angehörige oder auch Pflegedienste hereinkommen, und überlegt, wer in jedem Fall der individuell richtige Begleiter sein könnte. „Wir hatten einmal den Wunsch eines Mannes, gerne noch einmal italienisch mit jemandem zu sprechen – und tatsächlich haben wir jemanden gefunden, der diese Begleitung übernahm.“

Was in jedem Fall wichtig ist, kann sehr unterschiedlich sein. „Das Zauberwort heißt Lebensqualität“, sagt Kristin Werkes. „Der Sterbende ist die Hauptperson, seine Wünsche haben oberste Priorität“, erklärt Gerda Kretschmann. Allerdings wissen die Ehrenamtler auch, dass das Umfeld des Sterbenden oft größere Probleme hat, als der Sterbende selbst, dass Angehörige manchmal mehr Betreuung brauchen. Gerade, wenn ein junger Mensch sterbe, habe die Familie oft Zukunftsängste.

„Und oft würden Freunde einer Familie gern helfen, wissen aber nicht, wie“, sagt Uta Minten. Sie hat seit ihrer Kindheit die verschiedensten Erfahrungen mit dem Tod gemacht, dabei oft das Gefühl der Hilflosigkeit erfahren. „Gerade als Kind wird man oft von dem Sterbenden weg gehalten.“

In dem Seminar haben die neuen Ehrenamtler auch viel über sich selbst gelernt. Wer begleiten will, muss sich auch der eigenen Endlichkeit bewusst sein. „Der Tod gehört eben zum Leben“, sagt Dieter van Mierlo.

(Report Anzeigenblatt)