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Der Kampf ums Überleben

Der Kampf ums Überleben
Auch im Kreis Viersen gibt es viele obdachlose Menschen. Zuflucht und Hilfe finden sie in der Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten sowie in der städtischen Unterkunft. FOTO: pixelio/ schubalu
Kreis Viersen. Obdachlose und wohnungslose Menschen im Kreis Viersen finden Hilfen zur Überwindung ihrer Problemlagen in der Beratungsstelle des SKM an der Josefskirche. Die städtische Übernachtungsstelle gleich nebenan bietet Obdach. Die Zahl der Hilfesuchenden sind gestiegen. Von Simone Krakau

Schon bald wird das Thermometer die Null-Grad-Marke knacken – ohne Schal und dicke Jacke verlassen wir das Haus momentan nicht mehr. Auch die Heizung läuft Zuhause wieder auf Hochtouren, damit wir es uns am Abend auf unserer heimischen Couch gemütlich machen und die wohlige Wärme genießen können. Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, ist für Wohnungs- und Obdachlose nur ein Traum oder eine schöne Erinnerung an bessere Zeiten. Besonders der klirrend kalte Winter ist für diejenigen, die am Rande unserer Gesellschaft leben, eine harte Zeit.

Auch im Kreis Viersen gibt es viele Menschen, die keine eigene Wohnung haben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Eine Anlaufstelle ist die zentrale Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten des SKM Kempen-Viersen an der Josefskirche in Viersen. Seit über 30 Jahren bietet die Beratungsstelle Hilfestellung bei der Überwindung von Problemen, die Betroffene nicht alleine in Angriff nehmen können. „Häufig kommen die Menschen erst zu uns, wenn die Probleme schon sehr ausgeprägt sind“, sagt Jürgen Heimes von der Beratungsstelle. Unterstützt werden Personen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, ihre Wohnung verloren haben, sich in Obdachlosenunterkünften aufhalten oder aber auf der Straße übernachten. Die Gründe für solch eine dramatische Lage seien oftmals ganz unterschiedlich, weiß Heimes. „Häufig haben die Menschen eine Trennung durchlebt, sind psychisch krank, haben Schulden, erleben auflösende Familienstrukturen und bekommen die Situation eigenhändig nicht mehr in den Griff.“ Um den Klienten bestmöglich zur Seite zu stehen, geben die Sozialarbeiter- und Pädagogen Hilfestellung bei diversen Anträgen und unterstützen etwa bei der Wohnungssuche.

Gleich neben der Beratungsstelle befindet sich die städtische Übernachtungsstelle Viersen, die eng mit dem SKM zusammenarbeitet. Dort haben alle auf der Straße lebenden Viersener die Möglichkeit, die Nacht zu verbringen, sich aufzuwärmen und eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Für den Moment ist die Übernachtungsmöglichkeit dann problemlösend – doch auf lange Sicht gesehen stehen die Obdachlosen weiterhin vor dem großen Problem, kein eigenes Zuhause zu haben, keinen persönlichen Rückzugsraum.

2017 habe sich die Zahl der Ratsuchenden in den Beratungsstellen in Viersen und Kempen übrigens erhöht. Insgesamt sprachen 519 Ratsuchende vor. Außerdem war die Anzahl der Neuklienten mit 250 Personen noch nie so hoch – 332 Klienten waren von Beginn an wohnungslos. Auch die Anzahl der jüngeren Wohnungslosen im Alter von 18 bis 26 Jahren habe sich erhöht.

(Report Anzeigenblatt)