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Den „Lappen“ abgegeben

Den „Lappen“ abgegeben
Ilse Vennemann hat ihren Führerschein abgegeben und möchte mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit verkehrsunsichere Senioren dazu bewegen, es ihr nachzumachen. FOTO: Daniel Uebber
Viersen. Stolz hält Ilse Vennemann ihren alten Führerschein in die Kamera. Was an dem „Lappen“ sofort auffällt sind die abgeschnittenen Ecken. „Ich habe meinen Führerschein freiwillig abgegeben, denn im Alter will ich auf den Straßen niemanden gefährden“, sagt die 75-Jährige. Von Daniel Uebber

Damit möchte die Rentnerin ein Vorbild sein. „Ich möchte die Menschen meiner Generation dazu anregen, sich zu hinterfragen, ob sie noch in der Lage sind, Auto zu fahren. Ich selbst bin es mit 75 Jahren und nach einem Schlaganfall nicht mehr, auch wenn mir von ärztlicher Seite keine Bedenken ausgesprochen wurden“, sagt Ilse Vennemann, die früher viel und gerne Auto gefahren ist.

Ich hatte immer einen großen BMW, den brauchte ich auch, um damit durch ganz Deutschland von Messe zu Messe zu fahren“, sagt die ehemalige selbstständige Pelzhändlerin. 1969 machte sie ihre Fahrprüfung mit damals 27 Jahren. Bis in den Dezember 2015 fuhr sie unfallfrei. Dann krachte es - zum Glück nur ein Blechschaden.

Noch am Tag des Unfalls fasste sie den Entschluss, ihren Führerschein abzugeben. Und das geht im Straßenverkehrsamt.

„Dort musste ich eine Verzichtserklärung unterschreiben, und dann wurde der Führerschein ungültig gemacht. Seit dem fährt mich mein Mann Hermann umher, oder ich nehme den Bus, das ist eigentlich auch unproblematisch“, sagt sie. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, schließlich habe sie ein Stück Mobilität aufgegeben.

Bei der Polizei in Viersen kommt Ilse Vennemanns Entscheidung jedenfalls gut an: „Es ist aber nicht so, dass Senioren im Straßenverkehr als besonders verkehrsgefährdend auffallen. Landläufig sagt man, dass sie mit ihrer Erfahrung oftmals ihre fehlende körperliche Fitness wettmachen.

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Senioren ist im vergangenen Jahr sogar zurückgegangen, trotz des demographischen Wandels.

Trotzdem ist es natürlich lobenswert, wenn jemand aus freien Stücken seinen Führerschein abgibt, weil er oder sie nicht mehr sicher Auto fahren kann.“

Ilse Vennemann findet es schade, dass es seitens der Politik keine Anreize gibt, seinen Führerschein abzugeben, etwa vergünstigte Bustickets. Ihr Mann Hermann geht sogar einen Schritt weiter: „Ab einem gewissen Alter sollte man, wenn man seinen Führerschein behalten möchte, zu Fahrsicherheits-Tests und Reaktions-Tests verpflichtet werden. Und wenn dabei herauskommt, dass man nicht mehr in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu führen, dann muss man seinen Führerschein eben abgeben. Bei Lkw-Fahrern ist das doch schon lange Praxis. Warum nicht auch für Autofahrer? Wer fit ist, kann so auch ruhigen Gewissens seinen Führerschein behalten.“

Apropos Behalten: Behalten hat auch Ilse Vennemann ihren „Lappen“, wenn auch als Erinnerungsstück.

(Report Anzeigenblatt)