Cannabis als Heilmittel – bald auch bei Demenz?

Einst war man der Meinung, dass Demenz eine reine Alterskrankheit ist. Inzwischen weiß man, dass sie auch Menschen ab 40 treffen kann. Ein Heilmittel gegen die Krankheit, die schleichend zum Gedächtnisverlust führt, gibt es leider nicht – bisher.

Denn Bonner Forscher hegen die Hoffnung, dass zumindest beginnende Alzheimer-Demenz bzw. eine milde Altersdemenz durch Cannabis aufgehalten werden könnte. Und diese Hoffnung stützen sie auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Bonner Forscher konnten nachweisen, dass schon eine kleine Menge des Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol) die Gehirnleistung von alten Mäusen verbessert, die zuvor nachgelassen hatte. Seit bereits 15 Jahren untersuchen die Wissenschaftler jene Rezeptoren im Nervensystem der Tiere, auf die Cannabis einwirkt. Als Teil des Nervensystems beeinflusst dieses sogenannte Endocannabinoid-System alle Alterungsprozesse. Werden die Mäuse älter, nimmt die Aktivität des Systems nach und nach ab, was mit typischen Alterungssymptomen wie runzeliger Haut oder schwacher Kognitionsleistung einhergeht.

Nachdem die Forscher den alten Mäusen THC verabreicht haben, verhielten sie sich so, als wären sie jung – und unterschieden sich kaum von den jungen Nagern. Forscher berichten, dass ihre Gedächtnis- und Lernleistung im Vergleich zu unbehandelten Mäusen deutlich besser gewesen sei. Die nachlassende Aktivität des Endocannabinoid-Systems ließ sich mit dem Cannabis-Wirkstoff offenbar erfolgreich umkehren. Könnte THC dann nicht auch die Gehirnfunktion von älteren Menschen, die an milder Altersdemenz oder einer beginnenden Alzheimer-Demenz leiden, normalisieren? Genau das wollen die Bonner Forscher in einer klinische Studie untersuchen und geben sich schon jetzt vorsichtig optimistisch, dass man auch hierbei gute Ergebnisse erzielen kann. Denn Forschern zufolge funktioniert das, was Mäusen hilft, in der Regel auch bei Menschen. Dazu kommt, dass Cannabis, medizinisch richtig eingesetzt, inzwischen ein wertvolles Medikament ist. Bei Krebspatienten hilft Cannabis-Konsum nicht nur gegen Schmerzen, sondern kann auch direkt zur Heilung dieser heimtückischen Krankheit beitragen – auch das ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen. Cannabis-Öl kann beispielsweise bei Rheuma-Schmerzen die Rettung für Betroffene sein. Arzneimittel, die Cannabinoide wie CBD, aber kein psychoaktives THC enthalten, sind mittlerweile auch über das Internet erhältlich.

Ihnen wird eine überaus positive Wirkung auf das Wohlbefinden und die Gesundheit zugeschrieben. Cannabis, Hanf oder auch Marihuana – während die Wörter früher ausschließlich negativ behaftet waren, assoziiert man heutzutage auch die positive medizinische Wirkung dieser auf den Menschen. Seit März diesen Jahres dürfen Patienten, die starke Schmerzen haben, Arzneimittel auf der Basis von Cannabis sogar auf Rezept erhalten; die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. Dies betrifft allerdings ausschließlich Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, ADHS oder das Tourette-Syndrom haben sowie Krebs- und Aidspatienten, bei denen andere Behandlungsmethoden erfolglos blieben. Es bleibt zu hoffen, dass auch Alzheimer-Patienten mit Cannabis-Arzneimitteln zukünftig geholfen werden kann.
Bildrechte: Flickr Cannabis JouWatch CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten