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Auch Kinder trauern – aber oft heimlich

Kreis Viersen. Kinder trauern genauso wie wir Erwachsenen. Der Unterschied: Man merkt es nicht sofort, und das kann fatale Folgen haben. Die Kindertrauergruppe hilft Kindern dabei, mit ihrer Trauer umzugehen. Von Gina Dollen

Gemütlich eingekuschelt in Decken und Kissen liegen die acht Kinder auf dem Boden und lauschen der Geschichte, die die Sozialpädagogin Waltraud Aengenvoort den Kindern vorliest. Mit viel Freude notieren sie, was sie in den vergangenen Monaten an sich kennengelernt und wiedergefunden haben, das ihnen bei der Trauerverarbeitung um den Verlust ihres Vaters, ihrer Mutter oder anderer wichtiger Bezugspersonen helfen kann. Als sie kurz darauf abgeholt werden, staunen die Erwachsenen nicht schlecht, was ihren Kindern alles an „Kraftquellen“ zur Verfügung steht.

Insgesamt zehnmal treffen sich Waltraud Aengenvoort und Christiane zur Nieden, beide ausgebildete Trauerbegleiterinnen, mit den sieben bis 13 Jahre alten Kindern im zwei- bis dreiwöchigen Rhythmus. Jeweils zweieinhalb Stunden lang wird gemeinsam das Thema Trauer mit all seinen Facetten angesprochen, und es werden verschiedene Themen erarbeitet; aber auch Spiele, Geschichten, Basteleien und eine gemeinsame Mahlzeit sollen den Kindern wieder die Lust am Leben vermitteln.

Die Experten wissen, wenn Kinder trauern, trauern sie meistens im Stillen. Häufig ziehen sie sich in der Trauer zurück, werden leicht reizbar oder bekommen eventuell schlechtere Noten in der Schule, obwohl sie „ nur“ in Trauer sind. Hier in der Trauergruppe, in einem neutralen Raum, wo sie keine Rücksicht auf die trauernden Erwachsenen nehmen müssen, lernen die Kinder mit ihrer Trauer umzugehen. Sie bekommen allmählich das Gefühl, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine da stehen. So entsteht schnell eine Gemeinschaft untereinander. Die Kinder helfen sich, trösten sich, erzählen sich gegenseitig von ihren Erlebnissen. Erwachsene können Kindern nicht geben, was sich Kinder gegenseitig geben können.

Eine weitere wunderbare Begleiterscheinung der Kindertrauergruppe sind die vielen engen Freundschaften, die innerhalb der Gruppe entstehen und die lange über die Treffen hinaus halten.

Die Trauergruppe beginnt mit einem Schnuppertreffen. Erst danach entscheiden die Kinder, ob sie regelmäßig teilnehmen wollen.

„Das DRK an der Carl Diem Straße stellt uns dafür die Räume und das Essen kostenlos zur Verfügung und wir werden mit offenen Armen hier empfangen“, erklärt Waltraud Aengenvoort, „was uns eine unglaubliche Unterstützung ist“.

Drei Monate nach dem letzten Treffen steht ein Abschlusstreff an, gemeinsam mit den Eltern. Die nächste Gruppe startet Mitte 2017. Die Kindertrauergruppe ist ein kostenloses Angebot des DRK Kreisverbandes Mönchengladbach und ist für Kinder zwischen sieben und 13 Jahren gedacht, die einen Trauerfall erlebt haben.

(Report Anzeigenblatt)