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Archiv: Viele offene Fragen

Archiv: Viele offene Fragen
Das Stadtarchiv in Viersen soll, geht es nach den Plänen des Landrats, in ein Kreisarchiv integriert werden. FOTO: Uli Rentzsch
Viersen. Soll das Viersener Stadtarchiv in ein noch zu bauendes großes Kreisarchiv integriert werden? Ob die Stadt Viersen dazu „Ja“ sagt, wird am Dienstag, 6. September, im Rat der Stadt Viersen entschieden. Von Daniel Uebber

Niemand weiß so genau, was es kosten soll, niemand weiß so genau, was es leisten soll, und niemand weiß so genau, wo es überhaupt gebaut werden soll: Die Zukunft eines möglicherweise neuen Kreisarchivs mit integriertem Viersener Stadtarchiv war am vergangenen Dienstag Streitpunkt in einer teilweise hitzigen und chaotischen Sitzung des Viersener Kulturausschusses.

Der war eigentlich zusammengekommen, um eine Empfehlung für den Rat der Stadt zu formulieren, der am Dienstag endgültig über die Frage entscheiden soll, ob Viersen sein bisheriges Stadtarchiv in der alten Turnhalle des Humanistischen Gymnasiums aufgeben und dessen Arbeit und das Personal in ein Kreisarchiv überführen soll.

Dazu erreichte die Stadt am Vorabend der Kulturausschuss-Sitzung ein Schreiben von Landrat Andreas Coenen, der genau dafür warb. Darin heißt es: „Ein gemeinsames Archiv im Kreis Viersen bietet die Chance, ein Kreis-Bürgerarchiv zu schaffen, in dem alle – Archivare und Nutzer – unter optimalen räumlichen Bedingungen und ausgestattet mit modernster Technik arbeiten und forschen können.“

Viersens Erster Beigeordneter Dr. Paul Schrömbges (CDU) sprach sich stellvertretend für die Verwaltung der Stadt vehement gegen eine Zusammenlegung der Archive aus: „Das Stadtarchiv in Viersen leistet gute Arbeit – vor allem auch im bildungspolitischen Bereich. Auch die vielen Ehrenamtler können hier sehr gut arbeiten. Außerdem sind noch zu viele Fragen offen.“

Ähnlich sieht das Manuel García Limia von der SPD: „Ich verstehe überhaupt nicht, weswegen wir über eine Zusammenlegung der Archive reden. Denn Fraktionen-übergreifend sind wir uns alle einig, dass das Stadtarchiv eine hervorragende Arbeit leistet. Warum soll man etwas ändern, was gut läuft?“ Als Beispiel nannte der Sozialdemokrat folgende Zahlen: „Seit 1950 hat das Kreisarchiv 96 Publikationen veröffentlicht. Zum Vergleich: Allein seit 1990 hat das Stadtarchiv Viersen 142 Veröffentlichungen publiziert. Wir befürchten, dass das Stadtarchiv seine erfolgreiche Arbeit in einem Kreisarchiv nicht mehr so fortführen kann, wie bisher.“

Insgesamt seien einfach zu viele Fragen offen, um abschließend eine Empfehlung an den Rat der Stadt auszusprechen. Darin waren sich die Mitglieder der anderen Fraktionen einig. Laura Mavrides war in der Debatte im Forum Wortführerin der CDU: „Ein Kreisarchiv auf Viersener Stadtgebiet würde das Prestige der Stadt steigern. Wir stehen der Option Kreisarchiv offen gegenüber.“

So sieht das auch Werner Jungblut (FürVIE): „Wir sollten uns die Chance auf ein Kreisarchiv jetzt nicht verbauen. Entscheidende Fragen müssen aber noch geklärt werden: Welche Leistungen werden der Stadt Viersen in einem Kreisarchiv vertraglich zugesichert? Wo soll das Archiv gebaut werden, und wie sieht es mit der Weiterbeschäftigung des Personals aus? Erst wenn diese Fragen geklärt sind und belastbare Zahlen vorliegen, können wir eine Entscheidung treffen.“

Frank a Campo (FDP) stieß ins gleiche Horn: „Wir sollten, bevor wir die Zahlen kennen, keine abschließende Entscheidung treffen. Es bleibt abzuwarten, ob eine Kreislösung nicht günstiger wäre für die Stadt.“

Letztendlich einigte sich der Ausschuss auf einen Vorschlag von Paul Schrömbges. Er hatte im Vorfeld der Sitzung acht Punkte ausgearbeitet, die seiner Meinung nach vor einer Entscheidungsfindung geklärt sein müssten. Diese Punkte wurden im Verlauf der Sitzung um zwei weitere ergänzt (siehe Kasten). Die Fraktionen einigten sich darauf, bis zur Ratssitzung am Dienstag über diese Punkte zu diskutieren. Einzig SPD und Linke stimmten gegen diesen Beschluss. Manuel García Limia: „Wenn wir eine Zusammenlegung der Archive nicht klipp und klar ablehnen, setzen wir uns auf eine Rutschbahn, von der wir nicht mehr runter kommen.“

(Report Anzeigenblatt)