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Aber frisch muss es sein!

Aber frisch muss es sein!
Carsten Zielke (links) und Boris Brasseler sortieren schon früh am Morgen die Kartoffeln. FOTO: Uli Rentzsch
Dülken. Die Königsposition: Der Kunde bestimmt, welche Lebensmittel zur Verfügung stehen. Ein wichtiges Argument für den Kauf: die Frische. Die Obst- und Gemüselieferanten haben sich darauf eingestellt und bedienen den Wunsch nach regionalen Produkten. Von Ulrich Rentzsch

Es ist früh am Morgen, kurz nach halb sieben. Von Hektik keine Spur. Im Edeka-Center am Dülkener Westgraben spürt man eher routinierte Betriebsamkeit. In der Gemüse- und Obstabteilung stehen die Kisten noch mitten im Gang, säckeweise werden die Kartoffeln aus Dülken und Willich herangeschoben, Stück für Stück werden die Äpfel aus Tönisvorst ins Regal gelegt. Auch die Champig nons aus Nettetal finden ihren Platz. Bis um 8 Uhr, wenn der Lebensmittelmarkt öffnet, bleibt noch genügend Zeit, um eine wichtige Botschaft zu transportieren: Hier ist alles frisch.

Frische – ist der Begriff schon so sehr strapaziert, dass uns gar nicht mehr bewusst ist, wie wertvoll frische Lebensmittel sind? Was bedeutet eigentlich Frische? "Eine richtige Grenze, eine Norm gibt es sicherlich nicht", sagt Inhaber Carsten Zielke, "kurze Wege von der Produktion bis in den Verkauf – das ist sicherlich ein wichtiges Kriterium." Boris Brasseler liefert Kartoffeln und Eier an den Edeka-Markt. Täglich. "Wenn die Hühner morgens die Eier legen, können wir mittags liefern", sagt er. Kurze Wege, denn der Brasseler Hof liegt nur 1,6 Kilometer entfernt, keine fünf Minuten. Ein Idealfall.

Gut, die Himbeeren brauchen derzeit etwas länger. Sie kommen aus Südamerika. "Etwa zwei Tage", sagt Carsten Zielke. Er habe sogar schon einmal probeweise versucht, nicht-saisonales Obst aus dem Angebot herauszunehmen. Im Winter gibt es eben keine Himbeeren. Fertig! Aber der Kunde der heutigen Zeit habe letztendlich andere Vorstellungen.

Verwaltung und Politik in den Kommunen strengen sich derzeit an, die Wochenmärkte zu stärken (Waldniel) oder sogar neue Standorte zu etablieren (Breyell). Wochenmärkte geben den Innenstädten einen gewissen Charme, ein Lebensmittelmarkt steht mit seinem Angebot allerdings nicht hinten an. In der morgendlichen Runde mit Obstlieferant Klaus Funken aus Tönisvorst und Kartoffel-Lieferant Peter Friesen aus Willich ist man sich einig: Wochenmärkte müssen sich vor allem strukturell dem Kundenwunsch noch besser anpassen, um erfolgreich zu sein.

"Wir waren zunächst skeptisch", erklärt Boris Brasseler, "als uns Carsten Zielke auf eine Zusammenarbeit ansprach. Wir haben lange gerungen, wir haben eine Konkurrenzsituation gesehen. Schließlich führen wir unseren eigenen Bauernladen." Inzwischen sei man überrascht, dass viele den Weg zum Brasseler Hof finden. "Die Kunden wollen unsere Produkte und unseren Betrieb noch genauer kennen lernen." Bauernladen und Lebensmittelmarkt können also von einander profitieren, können sich ergänzen. Beide haben ein Credo: Frisch muss es sein.

(StadtSpiegel)