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„Die Trauergruppe war richtig cool“

„Die Trauergruppe war richtig cool“
Silke Müller und ihr Sohn Maximilian zeigen den Kraftengel, den „Max“ in der Kinder-Trauergruppe gebastelt hat. FOTO: Thomas Hippel
Nach dem Verlust von Angehörigen trauern Kinder in der Regel ganz anders, als es Erwachsene tun. Um ihren besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden, bietet der DRK-Kreisverband Mönchengladbach regelmäßig eine kostenlose Trauergruppe für Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren auch aus dem Kreis Viersen an. Spielerisch lernen die Kinder hier, mit ihrer Trauer umzugehen. Wir sprachen mit Silke Müller aus Nettetal und ihrem neunjährigen Sohn Maximilian. Er hat an der Trauergruppe teilgenommen. Von Thomas Hippel

Stadt Spiegel: Frau Müller, wie sind Sie auf die Trauergruppe aufmerksam geworden und wie war Ihre Situation zu der Zeit?

Silke Müller: Mein Mann war über Jahre an einem Gehirntumor erkrankt. Die letzten Monate seines Lebens verbrachte er im Hospiz. Erst über das Hospiz haben wir von dem Angebot der Kinder-Trauergruppe erfahren. Am Anfang gab es da schon einige Berührungsängste und ich habe mich gefragt, ob das jetzt das Richtige für mein Kind ist. Aber nach einem Schnuppertag hat sich Maximilian dann entschieden, die Gruppe weiter zu besuchen.

Stadt Spiegel: Wodurch wurde die anfängliche Entscheidung, die Trauergruppe auszuprobieren, begünstigt?

Silke Müller: Am Anfang fühlt man sich ja mit der ganzen Situation überfordert. Man sieht sich mit allerlei Ängsten konfrontiert und fragt sich, wie es denn jetzt weiter gehen soll. Und ich wollte meinem Kind ja unbedingt helfen. Also haben wir gedacht, wir versuchen es einfach mal.

Stadt Spiegel: Sie haben die Entscheidung also nicht bereut?

Silke Müller: Auf keinen Fall. Und es sind ja auch nicht nur die Kinder, die in der Trauergruppe begleitet werden. Auch die Erwachsenen erhalten hier viel Unterstützung und erfahren, wie sie den Kindern helfen können. So erfährt man zum Beispiel im anfänglichen Beratungsgespräch sehr viel über die besondere Art und Weise, auf die Kinder trauern, und wie man besser darauf eingehen kann. Dadurch wird man viel handlungsfähiger.

Maximilian: Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, die Gruppe zu besuchen.

Stadt Spiegel: Inwiefern hat Maximilian denn von der Trauergruppe profitiert?

Silke Müller: Die Gruppe hat dazu beigetragen, dass Maximilian zunehmend gelöster wurde. So war es mir dann auch nach einer gewissen Zeit viel besser möglich, mit ihm über den Tod seines Vaters zu sprechen.

Stadt Spiegel: Wie würden Sie das Miteinander in der Gruppe beschreiben?

Silke Müller: In der Gruppe haben die Kinder gesehen, dass sie nicht allein sind mit der Situation und dass es Andere in ihrem Alter gibt, denen es genauso geht. Auch haben sie gelernt, sich gegenseitig zu tragen. So haben sich die Kinder auch nach der Gruppe noch getroffen. Der Verlust eines Familienmitgliedes führt eben dazu, dass die Kinder direkt auf einer Ebene sind. In der Schule ist das meist nicht so ohne Weiteres möglich, da viele Mitschüler die Gefühle in so einem Fall nicht so gut nachvollziehen können.

Maximilian: Manche können das ganz gut, manche aber auch nicht.

Stadt Spiegel: Welches ist der positivste Punkt, den Sie an der Trauergruppe herausstellen würden?

Silke Müller: Man ist nie alleine, die Eltern werden ständig durch die Gruppenleiterinnen unterstützt. Ein ganz besonderer Aspekt ist aber auch, dass wir als Eltern miteinander in Kontakt kommen und uns über unsere jeweilige Situation austauschen können.

Stadt Spiegel: Und was hat dir am besten gefallen, Maximilian?

Maximilian: Wir haben oft gespielt, niemand wurde ausgeschlossen und wir waren immer füreinander da. Die Trauergruppe war richtig cool.

(StadtSpiegel)