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„Die kaufbar tut mir gut“

„Die kaufbar tut mir gut“
Sandra Beckers (hinten) hatte sich schon fast aufgegeben. Dann kam sie zur kaufbar und hat in Betriebs- und Projektleiterin Monika Mai eine verständnisvolle Chefin gefunden. FOTO: Simone Krakau
Viersen. In enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Kreis Viersen bereitet das soziale Gebrauchtwarenkaufhaus kaufbar Langzeitarbeitslose im Rahmen zweier Programme arbeitsmarktnah auf den Wiedereinstieg in die Berufswelt vor. Von Simone Krakau

Zwischen den Regalen der kaufbar tummeln sich am Morgen bereits einige Menschen. Ein älterer Herr schaut sich die Haushaltsgeräte an, ein Stück weiter werden die gebrauchten Möbel von einem Pärchen begutachtet. In der Bücherabteilung stöbert eine junge Frau zwischen Krimis und Liebesromanen – die Auswahl hier kann sich sehen lassen. Hat man eine Frage zu den Büchern, wendet man sich am besten an Sandra Beckers. Sie ist für die Sortierung des Lesestoffs zuständig und weiß ganz genau, was wo zu finden ist.

Als sie vor einigen Monaten ihre Beschäftigung in der kaufbar begann, hatte sie von Büchern so gesehen keine Ahnung. „Ich habe damals bei Null angefangen“, sagt die 38-Jährige. Drei Jahre lang war Beckers arbeitslos, hatte sich selbst schon fast aufgegeben. Schuld war damals die erschütternde Diagnose Rheuma. „Ich wollte meine Krankheit erst einmal nicht akzeptieren“, erzählt die junge Frau.

2017 dann Beckers Chance: Über das Jobcenter Kreis Viersen bot sich ihr die Möglichkeit, als Teilnehmerin des sogenannte KELP-Projekts (Kommunales-Eingliederungsleistungs-Programm) in der kaufbar zu arbeiten. Sechs Monate lang, 20 Stunden pro Woche, sollte Beckers erst einmal kleinschrittig wieder an die Arbeitswelt herangeführt werden. „Im Rahmen des Projekts wird dann geschaut, was die Vermittlungshemmnisse sind“, erklärt Katharina Strunk, Job-Coach in der kaufbar. „Oftmals sind es körperliche Einschränkungen durch Krankheit oder andere Schicksalsschläge.“

Neben dem halbjährigen KELP-Programm wird Langzeitarbeitslosen, die in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate lang nicht gearbeitet haben, in der kaufbar auch die Möglichkeit auf einen zweijährigen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in Vollzeit geboten. In diesem Programm ist Beckers dann mittlerweile auch – und könnte damit glücklicher nicht sein. „Die kaufbar tut mir gut“, sagt die Mutter eines Sohnes. Auch ihre Erkrankung habe sie durch ihre Tätigkeit besser im Griff. „Ich habe mich durch meine Arbeit hier selbst kennengelernt und fühle mich wohler. Außerdem zeigen die Chefs hier unglaublich viel Verständnis.“

Ein Jahr hat Beckers nun schon in Vollzeit gearbeitet – was nach dem Programm mit ihr passiert, will sie sich noch gar nicht so recht ausmalen. „Mir graut es ein wenig davor, dass ich eventuell nicht noch einmal so eine tolle Stelle finde. Ich würde gerne wieder etwas mit Büchern machen.“ Denn nach zwei Jahren ist für sie definitiv Schluss in der kaufbar – dann endet das Programm. Doch Monika Mai, Projekt- und Betriebsleiterin der kaufbar, sieht Beckers beruflicher Zukunft durchaus positiv entgegen. „Wir werden ganz bestimmt eine tolle Stelle für sie finden“, betont sie. Denn genau das sei auch Ziel des Programms: Langzeitarbeitslose möglichst arbeitsmarktnah für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. Zusammen wird versucht die Entwicklung der persönlichen und beruflichen Zukunft voranzutreiben und den Teilnehmern eine Perspektive zu bieten. Auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wird aber mindestens genauso viel Wert gelegt. „Das ist unser Anspruch an die Mitarbeiter“, betont Mai. „Die Regeln schließen das Kümmern ja nicht aus.“

(Report Anzeigenblatt)