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„Der Kreis Viersen ist sicher“

„Der Kreis Viersen ist sicher“
„Sorgenkind“ der Kreispolizeibehörde Viersen sind die unverändert hohen Einbruchszahlen.
Kreis Viersen. Es gibt eine Diskrepanz zwischen gefühlter und objektiver Sicherheit im Kreis Viersen. Der Landrat sagt: „Der Kreis Vieren ist sicher.“ Von Heike Ahlen

Er wisse, dass der Satz „Der Kreis Viersen ist sicher“ bei einigen Menschen Spott hervorrufen könne, sagt Landrat Andreas Coenen bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2016. 18 936 Straftaten sind dort verzeichnet, 205 mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl liegt aber immer noch deutlich unter dem Mittelwert der vergangenen Jahre. „Sicherheit ist ein Grundbedürfnis“, ist Coenen überzeugt. Und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen sei getrübt.

Als „unverantwortlich und unsozial“ kritisiert er die „so genannten sozialen Medien“. Zu oft werde von Ereignissen weit außerhalb des Kreises auf die Sicherheit hier geschlossen. Das sehe man auch an der Zahl der Anträge auf den so genannten „kleinen Waffenschein“, der es erlaubt, Tränengas- oder Schreckschuss-Waffen zu tragen. Im Jahr 2015 hatten 139 Menschen im Kreis einen solchen Antrag gestellt, im Jahr 2016 1 100 – davon 850 allein im ersten Halbjahr.

Die Zahl der Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen ist von 19 im Jahr 2015 auf acht im vergangenen Jahr gesunken. Sieben Fälle konnten aufgeklärt werden – alle waren Beziehungstaten, teilweise lebten Opfer und Täter in Lebensgemeinschaften. Auch die Zahl der Raubdelikte ist um 20 Prozent gesunken. 106 Taten verzeichnet die Statistik. Insgesamt liegt die Zahl der Gewalt-Taten im Kreis bei 2,9 Prozent aller Straftaten. Landesweit sind es 3,3 Prozent.

Vier vollendete und ein versuchtes Tötungsdelikt weist die Statistik für 2016 aus. Eine Viersenerin er stach ihren Lebensgefährten und ist inzwischen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Prozess gegen die Anratherin, die ihr Baby nach der Geburt Ende Juli getötet haben soll, läuft noch. Der Fall einer versuchten Tötung ereignete sich im Nettetaler Krankenhaus im August. Die letzten beiden Fälle wurden auch über die Kreisgrenzen hinaus bekannt: Der Tod des fünfjährigen Luca Ende Oktober und der Mord an Lebensgefährtin und Sohn und anschließende Selbstmord eines Mönchengladbachers in Niederkrüchten Anfang Dezember.

Zwei wichtige Erkenntnisse gibt es für die Polizei beim Blick auf die Statistik: Die Zahl der Körperverletzungen nimmt zu, sowohl die der „einfachen“ als auch die der schweren und gefährlichen Körperverletzung, die im vergangenen Jahr erstmals über 400 lag. Warum die Zahl steigt, ist nicht ganz klar. Die Gewaltbereitschaft an sich sei gestiegen, was auch an den Übergriffen auf Polizisten sichtbar ist – hier waren es 81 gegenüber 72 im Vorjahr, erklärte Abteilungsleiter Manfred Krüchten. Es gebe immer mehr Menschen, die nicht gewohnt seien, sich verbal auseinanderzusetzen.

Die zweite Erkenntnis, und zugleich das „Sorgenkind“ der Polizei im Kreis, sind die Einbrüche. Deren Zahl ist zwar leicht von 907 auf 877 gesunken, allerdings war 2015 auch ein Negativrekord zu verzeichnen. Und die Aufklärungsquote sank ebenfalls – auf knapp elf Prozent. Hier kommt Krüchten noch einmal auf das Gefühl zu sprechen, durch eine Waffe im Haus sicherer zu sein: „Wir sehen das skeptisch. Unterstützung durch die Polizei zu rufen ist allemal effektiver, als mit einer Gasdruckpistole herumzuhantieren.“

Eigentum, da sind sich Krüchten und Siegfried Lantermann, der Leiter der Direktion Kriminalität, einig, habe auch etwas mit Verpflichtung zu tun. Bauherren seien gefragt, Einbruchssicherungen zu installieren, die Polizei biete hierzu Beratungen an. Außerdem appellieren beide an die Bürger, die Augen offen zu halten und verdächtige Beobachtungen unverzüglich über die 110 zu melden.

(Report Anzeigenblatt)