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Über 400-mal Alarm

Über 400-mal Alarm
Glück im Unglück: Nur leicht verletzt wurde der Fahrer dieses Pkw. Fotos (2): Heike Ahlen
Viersen. Ein Sturmtief der besonderen Art – Friederike zog über unsere Heimat und richtete überall Schäden an. Ziegel gingen auf den Hausdächern verloren, Äste wirbelten durch die Luft. Die Feuerwehren waren ab 10 Uhr am Donnerstag im Einsatz. Sturmtief Friederike hielt sie bis zum Abend in Atem. Von Ulrich Rentzsch

Umheimlich war’s. Je nach Gemütslage auch beängstigend. Wer sich auf die Straßen wagte, bekam die orkanartigen Böen am vergangenen Donnerstag leibhaftig zu spüren. Wenn die Böe den richtigen Ansatzpunkt erwischte, wurde man regelrecht aus der Bahn geworfen.

Die Kommunen gaben Warnungen heraus. Die Stadt Viersen empfahl, den Aufenthalt im Freien zu meiden. Die städtischen Sportplätze wurden für den Spiel- und Trainingsbetrieb gesperrt, die Friedhöfe wurden geschlossen. Auch die Feuerwehr Viersen hatte empfohlen, zu Hause zu bleiben. Die Leitstelle der Feuerwehr war am Donnerstag überlastet.

Die Hauptschule in Nettetal-Kaldenkirchen hatte den gesamten Unterricht abgesagt. Alle anderen Schulen blieben geöffnet. Die Kinder blieben jedoch in den Gebäuden. Offensichtlich wurde das Dach des Lobbericher Postgebäudes beschädigt.

In den sozialen Netzwerken machten sich viele Sorgen um ihre Angehörigen, die trotz Sturm arbeiten mussten. Bea M. schrieb: „Mein Mann ist auch noch auf einer Baustelle am arbeiten.“ Sturmtief Friederike hat auch im Kreis Viersen gewütet. Über 400-mal musste die Feuerwehr ausrücken. Die Nettetaler Feuerwehr traf es 70-mal, 68 Einsätze verzeichnet die Feuerwehr in der Gemeinde Brüggen, 50 in der Gemeinde Schwalmtal, 47 in der Gemeinde Niederkrüchten.

In Viersen arbeiteten 75 Wehrleute und 25 städtische Mitarbeiter die Einsätze ab. In Brüggen waren 40 Kräfte im Einsatz, in Niederkrüchten ebenso, in Schwalmtal waren es 50, in Nettetal 90.

Die Folgen werden noch lange sichtbar sein. Es gab Bereiche, in denen die Bäume „wie Streichhölzer“, wie es ein Augenzeuge formuliert, umknickten. In Brüggen und in der Waldnieler Schomm sind regelrechte Schneisen geschlagen worden. Große Schäden gab es auch am Hohen Busch und in den Süchtelner Höhen. Stadtförster Rainer Kammann sprach in einer ersten Einschätzung davon, dass im Bereich des Wildgeheges und des Kletterwalds 70 Prozent der Bäume umgestürzt oder massiv geschädigt seien. Im Bereich der Peter-Stern-Allee sehe es ähnlich aus. Kammann warnte dringend davor, in den nächsten Tagen in den Wald zu gehen.

Ein schwerwiegender Einsatz für die Nettetaler Wehr ereignete sich im Stadtteil Schaag, Boisheimer Straße, angrenzend an den Stadtteil Viersen-Boisheim, Schaager Straße. Ein Unfall, bei denen drei Insassen eines PKW durch einen herabstürzenden Baum verletzt wurden, davon eine schwer. Alle drei Verletzten wurden in Krankenhäuser zur Behandlung eingeliefert.

Auf der Grenze zwischen Schwalmtal und Niederkrüchten, auf der L372 zwischen Mühlrather Mühle und Mühlrather Hof hatte ein Autofahrer einen großen Schutzengel. Sein BMW wurde von mehreren umstürzenden Tannen getroffen. Er wurde nur leicht verletzt, weil genau da, wo das Auto fuhr, am Rand der Lkw einer dort arbeitenden Firma stand. Bäume blieben am Lkw hängen, schlugen deshalb nicht voll auf die Fahrgastzelle des BMW durch.

In Brüggen traf es noch den Klimp-Express, der von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Außerdem stürzte eine Buche an Schloss Dilborn auf vier geparkte Autos.

Die Ortsdurchfahrt Lüttelforst und die Zufahrt zum „Weißen Stein“ blieben wegen umgestürzter Bäume noch bis zum Freitagvormittag gesperrt. Als erstes war am Donnerstagmorgen die Swalmener Straße in Brüggen gesperrt worden, weil immer wieder Bäume umstürzten. Auch die Renneperstraße in Schwalmtal und der Bereich an der Schomm wurden zeitweilig gesperrt. Bis zum späten Nachmittag dauerte die Sperrung des Niederkrüchtener Ortsteils Venekoten. Etliche Häuser wurden von umstürzenden Bäumen getroffen, in den Gärten richtete der Sturm Verwüstungen an. Für die Beseitigung der Gefahren durch die Feuerwehr wurde die Zufahrt zum Ort bis gegen 17 Uhr gesperrt. Die meisten dankten für die Hilfe, es gab allerdings auch einige Uneinsichtige, die nicht verstanden, warum sie ihr Auto vor dem Ortstor stehen lassen sollten. Auch Bürgermeister Kalle Wassong war nach Venekoten gekommen. „Friederike hat in unserem Gemeindegebiet, insbesondere in Venekoten, heftig gewütet. Ich habe vor Ort erlebt, wie umsichtig und zügig Feuerwehr, Mitarbeiter des Ordnungs- und Bauamtes, des Bauhofes und unterstützende Firmen zusammen gearbeitet haben. Allen gilt mein und unser besonderes Dankeschön“, sagte er.

(Report Anzeigenblatt)