Von Claudia Ohmer Kreis Viersen/Anrath. Spätestens seit Serien wie „Hinter Gittern“ haben wir ein gewisses Bild in unseren Köpfen über das Gefängnis-Leben entwickelt. Doch haben Serien-Klischees mit dem wirklichen Leben hinter hohen Mauern etwas gemeinsam? Der StadtSpiegel ist dem auf die Spur gegangen, Redakteurin Claudia Ohmer war beim Tag der offenen Tür in der Justizvollzugsanstalt Willich I. dabei.
Hinter uns schließt sich das stählerne Tor an der Außenpforte des farbenfrohen neuen Eingangsbereichs. Ein beklemmendes Gefühl in dieser abgeriegelten Fahrzeugschleuse quasi „gefangen“ zu sein. Spiegel sind auf unsere Besuchergruppe gerichtet, vorne weg Thomas Leesker. Seit 13 Jahren ist er Beamter im Werksdienst und begleitet uns heute auf unserer „Knasttour“. „Hier gibt es einen Herzschlagdetektor, mit dem an- und abfahrende Fahrzeuge kontrolliert werden“, erklärt er. „Rund 1500 Personen und 800 Fahrzeuge passieren hier jährlich die Schleuse“, weiß der sympathische Beamte. Auch wir sind hindurch und lassen den Neubau des Frauengefängnisses, wo rund 190 Frauen ihre Strafe absitzen, rechts liegen.
Willkommen im Besuchstrakt! Hier fühlt man sich wie bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen, durch Detektoren werden die Besucher „gefiltzt“. Die dürfen übrigens nur 13 Euro mit in die Besuchsräume hinein nehmen, der Rest wird im Schließfach aufbewahrt. „Gefangene dürfen im Monat 180 Minuten Besuch empfangen“, so Leesker. An Langzeitbesuchsräumen (ausgestattet mit Bad, Küche, Sofa und Tischgruppe) und Spielecke geht es vorbei, die nächste Tür zur Kleiderkammer wird aufgeschlossen. Hier erhalten die Neuankömmlinge einen Satz Einheits-Bekleidung, die bei den Männern Pflicht ist. „Schicke Unterhose!“, frotzelt die Besucherin neben mir mit Unterton. Graue Unterwäsche, Handtuch, T-Shirt, Hose, Decke und Bettwäsche sind natürlich eher zweckmäßig als modisch chic. Bei den Frauen wird dies lockerer gehandhabt, eigene Kleidung ist im Gegensatz zum Serien-Knast erlaubt. Der Weg führt uns über einen Innenhof bis zum Eingang des denkmalgeschützten „Altbau“ des Männerhauses, der um 1900 aus 1,5 Millionen Backsteinen gefertigt wurde. Leesker berichtet: „Im vergangenen Jahr sind 35.000 Quadratmeter dazu bekommen und die gesamte Anlage wurde vergrößert.“ Auch die neue graue Betonmauer zeugt von den jüngsten Erweiterungen.
Das Tor fällt ins Schloss. Wir sind nun drin im eigentlichen Hafttrakt. Mein Blick fällt auf die vielen Zellenfenster. Ein komisches Gefühl. Hier und dort hängen einige Kleidungsstücke über den Eisenstangen, in einem Ausguck weht eine Deutschlandfahne, in mehreren anderen stehen Flaschen auf dem Sims. Doch kein Mensch ist zu sehen, kein Ruf zu hören. Im Inneren reiht sich auf vier Etagen, die durch Stahlgitter unterteilt sind, Zellentür an Zellentür. Dahinter ist Platz für Bett, Schrank, Tisch, Stuhl, Toilette und Waschbecken, aber auch TV und Radio, persönliche Postkarten an den Wänden sind erlaubt. Nur die Zelle für „Problemfälle“ mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen ist spärlicher ausgestattet. Im kreuzförmig angelegten Gebäude laufen alle Zellentrakte im so genannten „Spiegel“ zusammen. Von diesem Mittelpunkt aus werden die Flügel A, B (z.B. Drogenaussteiger), C und D von den Aufsichtsbeamten im Auge behalten. Ihre eigenen vier Wände dürfen die Inhaftierten zum Sport (13 Sportkurse werden von rund 290 Teilnehmern besucht) und auch zum Arbeiten verlassen. Denn auch dies ist in der JVA Willich 1 in verschiedenen Betreiben möglich. Die Beamten im Werkdienst, rund 45 Handwerks- und Industriemeister (Bäcker, Gärtner, Schlosser, etc.) bilden teilweise sogar aus, mit Abschluss bei der IHK. Wir haben die Druckerei erreicht. Es ist sehr stickig. Nur die verschlossenen Fenster mit Gittern lassen einen spüren, wo man sich befindet. „40-50 Gefangene tun hier ihr Tagwerk mit 5-6 Kollegen aus der Branche“, erklärt Thomas Leesker, der selbst als Schreinermeister mit seinen Schützlingen Büromöbel, Stehpult, Barhocker, Schaukelpferd und anderes anfertigt (www.knastladen.de). Der hierbei erzielte Arbeitslohn dient dem Gefangenen zum Einkauf in der Anstalt, aber auch um eine Rücklage für die Zeit nach der Entlassung zu bilden. „Es gibt verschiedene Lohnstufen, ein Tageslohn im Verpackungsbereich beispielsweise liegt bei 9,71 Euro. Dafür müssen 629 Tüten Gummirohware verpackt werden.“ Reich wird man dadurch nicht. Aber froh ist, wer überhaupt Arbeit hat. Denn auch Arbeitslosigkeit herrscht „hinter Gittern“. „Nicht jeder findet eine Arbeit“, so Leesker, der sich seit 9 Jahren auch im Gefängnismuseum gleich neben der JVA engagiert. Hier findet auch unsere Besichtigungs-Tour ihren Abschluss. Doch kehren wir erstmal dem alten Backsteingebäude mit Geschichte den Rücken und atmen, wohlgemerkt in Freiheit, erstmal durch. Ein gutes Gefühl...
Tag der offenen Tür „Am 2. und 3. Oktober möchten wir im Rahmen der 1000-Jahr-Feier der Stadt Anrath Interessierten die Gelegenheit bieten, einen über 100 Jahre alten Teil ihrer Stadt zu erleben, der sonst nicht ohne weiteres zugänglich ist“, so Beate Peters, Leiterin der JVA Willich I. Führungen (für Besucher ab 14 Jahre) werden von 9 bis 17 Uhr von Mitarbeiter der JVA durchgeführt. Anmeldung per Mail unter poststelle@jva-willich1.nrw.de mit Name und Nummer des Personalausweises sowie Wünsche von Tag/Uhrzeit. Anmeldefrist: 14. August.
Info 332 Bedienstete (in Hauptanstalt und Zweiganstalten in Mönchengladbach und Krefeld), davon 210 im allgemeinen Vollzugsdienst, die Hälfte davon in Anrath 415 Haftplätze, tatsächliche Durchschnittsbelegung im Juni 450 Gefangene Größe Haftraum: 7,35 qm Größe einer 3er-Zelle: 17,57 qm Beschäftigungsquote bei den Gefangenen zwischen 65 und 70 %
08.09.2010 Noch fehlt jede Spur von Mirco
Grefrath. Auch am heutigen Mittwoch werden die Suchmaßnahmen
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08.09.2010 Leseratten reisen durch bunte Bücherwelten Viersen (td) Gebannt schauen die Kinder auf die Piratenkiste, denn gleich öffnet sich die Truhe. Die darin verborgenen Bücher und Geschichten nehmen die Kleinen jede Woche mit in eine andere ... weiter lesen